Das Leben ist endlich ... es herbstelt
Es herbstelt im Mühlengarten. Und wenn der Herbst kommt, dann herbstelt es auch in mir.
Heut erzähle ich Dir einmal etwas. Ganz persönliches. Manche erschrecken, wenn ich vom Sterben, vom Tod, vom Loslassen spreche. Ich liebe das Leben und doch beschäftige ich mich seit ich denken kann auch mit dem Tod.
Und jetzt, wo doch alles im Garten zu Ende geht, die Blumen verblühen, die Früchte von ihren Mutterbäumen loslassen, die Stauden sich in die Wurzeln zurückziehen, dann klopft es natürlich wieder an, dieses Thema. Alles ist vergänglich.
Und so habe ich mir heute ganz bewusst in den Abendstunden Zeit genommen. für mich ganz allein. In Ruhe, in Stille, mit der Natur, in meinem Garten.
Und ich hab gewerkelt. An einer neuen Vision. Ich hatte vor einigen Wochen so ein Bild vor Augen. Von einem neuen Gartenzimmer.
Nein, kein englischer Garten, kein Permakulturgartenzimmer, auch keine Wege oder weitere Gemüsegärten, kein Mariengarten...
Lass Dir ezählen:
Ich schlängelte vor einigen Wochen so am Bach entlang. Durch einen völlig vernachlässigten Teil des Mühlengarten und da war es. Da Bild von einem kleinen Mini Japangarten.
Nun, wenn ich so klare Bilder bekomme, dann setze ich um. Das ist so meine Widdernatur.
Frisch ans Werk und einfach tun.
Und heute habe ich also alle Pflanzen gepflanzt. Und beim Garteln, ja da bin ich völlig frei im Kops. Ich tu einfach und da kommen einfach die besten Ideen und Eingaben.
Und so telefonierte ich mal zwischen durch mit meiner liebsten Gartenfreundin. Natürlich plauderten wir ausschließlich über unsere neuesten Gartenprojekte. Und während des Telefonats da musste ich plötzlich schmunzeln. Ich hatte schon wieder ein ganz klares Bild vor Augen. Und das war so stimmig, sodass ich jetzt noch ganz ergriffen bin davon.
Also... auch wenn ich wie wild gestalte und wahrlich einen großen Garten pflege. Ich werde auch irgendwann mal älter. Und genau als wir eben vom älter werden sprachen, da erinnerte ich mich an meine Kindheit. Und ich war ein sehr kreatives Kind. Und weißt Du, schon damals pflegte ich Gärten. Nämlich ganz, ganz kleine Gärten. Ich baute schon als kleines Mädchen in kleinen Tonuntertöpfen Gärten. Ja, du liest richtig. Ich gärtnerte schon als Kind.
Ich machte so japanische Wassergärten. So Miniaturgartenanlagen. Ich seh es noch ganz klar vor Augen. Also ich legte etwas Moos in den Untersetzer, meist 1 - 2 Steine, tat etwas Erde dazu, meist pflanzte ich so ein klein wenig Gras oder irgendwas grünes aus dem Garten, mini halt, und dann setzte ich es unter Wasser.
Und das stellte ich auf die Küchenfensterbank. Und tagelang beobachtete ich dieses Minigärtchen. Ich pflegte es, ich goss es und sah was sich da so tat. Manchmal war sogar etwas Getier unterwegs. So ganz Mini Wasserflöhe und so Zeugs.
Und ich war fasziniert davon.
Und genau das traf mich heute wie ein Blitz.
Ja... wenn ich mal älter bin, dann werde ich auch diesen Mühlengarten wieder loslassen müssen. Früher oder später muss ich ja sowieso auschecken aus diesem Leben. Und ich werde aber beizeiten gehen, nicht erst wenn ich körperlich schon unfähig bin, den Garten zu pflegen.
Und dann, ja dann... setze ich mich als alte Frau wieder an die Fensterbank, und beobachte wieder so einen Garten meiner Kindheit....
„Und ich werde am Ende meines Lebens den Garten pflegen, den ich schon als Kind pflegte. Ein Garten mit 10 cm Durchmesser in einem kleinen Keramikuntersetzer. Und ich werde vor ihm sitzen und ich werde alles überblicken. Wie er auf der Fensterbank steht und einfach nur wunderschön ist."
Genau das kam mir beim Telefonat mit meiner Gartenfreundin, während ich so nebenbei an der Erschaffung meines kleinen Japangartens werkelte.
Und wir verabschiedeten uns. Und dann kam die Dämmerung. Und ich war so glücklich, denn ich war so in Frieden. In Frieden mit der Tatsache, dass auch ich älter werde und ich eine Lösung für meine größte Leidenschaft hatte. Das Gärtnern. Das Gärtnern ist und war wohl das Erfüllendste, was ich als Arbeit erfahren kann und konnte. Ich kann es nicht beschreiben, was in mir passiert, wenn ich gärtnere. Es ist meine Erfüllung und Berufung. Es ist pures Gestalten, Erschaffen und Sein mit dem lebendigsten was es hier auf Erden gibt. Mit der Natur.
Also meine uralten Buddhastatuen hatten nun Plätzchen untern den frisch gepflanzten blutroten Ahornen gefunden, einige Farne, Elfenblumen und purpurroter Perückenstrauch waren auch gepflanzt. Alles Purpur. Ganz schlicht - ein Hauch von Zen in meinem Garten. Zumindest sah ich vor meinen Augen schon den fertigen Japangarten, jetzt muss er sich mal einwachsen.
Ich holte mir eine Kerze, ein Räucherstäbchen, Schreibheft und Stift und eine Tasse Tee.
Erdig, im Gärtneroutfit, so wie immer, setzte ich mich an den Bach, auf einen kleinen Holzpfahl, und blickte auf die Kerze, den Buddha, der sich die Augen zuhält, folgte dem aufsteigenden Rauch und lauschte dem plätschernden Bach. Ich dachte an das Buch: Der Lauf des Wassers, von Alan Watts. Das Tao.
Ich beobachte lange den Bach. Das neue Gartenzimmer.
Und da...
empfing ich diese Worte. Wie ein Fluss prasselten die Sätze wie aus dem Nichts auf mich ein. Klar, deutlich, nicht aufregen, auch kein Wahnsinnsgedicht... Pur.
Und ich schrieb sie nieder. Solche Eingaben sind so flüchtig.
Ich hab gelernt das kleinste Ding zu sehn.
Musst nicht an ihm vorüber gehen
Blieb stehn
Hab geatmet
Und gesehn
Winde wehn
und Blume gehn
Und ich war überglücklich. Diese Stunden. Im Garten. Und als ich dann in der Badewanne saß... ja dann wusste ich noch etwas.
Genau diese Worte würden es sein, die ich, wenn ich dann mal diese Welt verlasse, auf einem Stein geschrieben haben möchte. An meinem Grab. Ein einfacher Stein. Vielleicht schreib ich ja das schon mal vor. Dann kann da nichts schief gehen.
Ich lächle gerade. Ja, so schmiede ich halt meine Pläne.
Denn ich hab gelernt, mich auch mit dem Tod zu versöhnen, mich bei Lebzeiten damit zu befassen.
Ja, genau diese Worte beschreiben mich.
Und das ist gut so. Und stimmt mich friedlich und so geht ein Tag zu Ende.
Und ich schreibe, das ist ja fast so gut wie garteln.
Und ... ich hab heut viel gelernt. Für mich.
Und, vielleicht mag Dir das alles etwas komisch erscheinen. Für mich sind genau jene Momente und Erfahrungen die Allergrößten und wertvollsten.
Denn heute habe ich mich selbst ein Stück mehr erfasst.
Ich hab gelernt das kleinste Ding zu sehn.
Musst nicht an ihm vorüber gehen
Blieb stehn
Hab geatmet
Und gesehn
Winde wehn
und Blume gehn
Monika Rosenstatter
Ich wünsche Dir einen guten Abend, ebenso wunderschöne Erkenntnisse beim Garteln und sende Dir ganz liebe Grüße aus meinem Seelengarten.
Deine Monika






Ich finde Dene Gedanken zum Garteln und zum Tod wunderbar... und auch bei mir kommen jetzt im Herbst ähnliche Gedanken und auch eine Dankbarkeit dafür, dass ich meinen Garten von der Schöpfung praktisch geliehen bekommen habe, ihn zu bearbeiten und irgendwann loszulassen an den nächsten Gärtner :-)
Irgendwann komme ich ganz bestimmt zu Dir in deinen Mühlengarten.. und ich freue mich darauf
Liebe Grüße aus Bayern von Doris