Mohnfeld - Er-Innerung

In vielen Schichten hat sich nun das Mohnfeld gemalt. Es war sehr alte Schichten, die sich beim Malen aufeinanderlegten, ineinanderflossen und sich zu einer Mohnwiese formten. Zuerst war alles dunkel. Gelb, Schwarz und Schichten von silbrigen Mond lagen auf der Leinwand. Dann packte ich den Farbtopf und Rot musste drüber. Viel Rot. Es zeigte sich die erste Blüte. Sie war für mich eine Lichtblüte. Tagelang brütete ich über dem Bild. Im Vorbeigehen legte ich manchmal eine Schicht Pink, dann wieder ein Schicht orange drüber. die Nacht darauf sah ich im Traum ganz genau wie das Bild fertig aussehen sollte. Tja, Mohn heißt nicht umsonst Schlafmohn. Also hat er mir im Schlaf sein wahres Gesicht gezeigt. Ich sah ganz viel weiße Blüten. Auch in der Natur entdeckte ich schon oft weiße Mohnblüten. Sie sind von besonderer Ausstrahlungskraft umgeben. Die große Herausforderung besteht darin, das Bild, welches ich im Traum sah, auf die Leinwand zu bringen. Beim Malen fühlte ich plötzlich die Kraft der Pflanze. Weich, sanft, die Blüten unglaublich vergänglich und in der Wirkung aber so stark, dass sie betäubt. All das drückt sich nun aus in diesem Bild. Es gesellten sich noch einige Gräser dazu ... und dann, ja dann legte ich den Pinsel zur Seite und das Bild ist nun fertig. Von der ersten Schicht, die vor Jahren auf der Leinwand erschien bis jetzt... haben wohl jährlich viele Mohnblumen geblüht... doch heuer sollte die Pracht festgehalten werden. Für einen langen Moment. Nun der erste Pinselstrich, die ersten Schichten dieses Bildes stammen nicht von mir. Sie stammen von meinem Sohn. Er malte viel in seiner Jugend. Er schnappte sich immer meine Leinwände und ging mit Acryl und Spraydosen ans Werk. Jetzt darf ich so einige seiner Werke wieder hervorholen und sie weitermalen. wir haben Spaß dran, gemeinsam unser Leben in Geschichten zu schreiben. Mein Sohn und ich haben ganz eigene Verbindung und es gibt vieles worüber ich nur, wirklich nur mit meinem Sohn reden kann. Und das schätze ich sehr. Wahrlich viel habe ich von ihm schon gelernt. vor allem diese unendliche Ruhe. Ich werde nie vergessen, seine Zitate: Mama, schreibst grad Geschichte, oder drehst schon wieder einen Film? oder... sprich nur Mama, wenn Du wirklich was zu sagen hast. ... tja.. so lernen Eltern von Kindern:)


Mohn wird in der griechischen Mythologie dem Gott Morpheus zugeordnet. In unseren Kulturkreisen ist vor allem der rote Mohn verbunden mit Demeter, frau Holle und der Percht. Allesamt haben zwei Seiten - sanft und doch so stark.


für mich ist malen in Schichten wie das Leben selbst. Eine Schicht, eine Geschichte knüpft an die andere an.


Malerische Grüße Eure Monika