Die Brennnessel - die Heilerin am Gartenzaun
- Monika Rosenstatter
- vor 3 Tagen
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Die Brennnessel
Die Heilerin am Gartenzaun. Entlang des Weges piekst so manchen Wanderer wohl auch die Brennnessel. Sie wächst an Übergängen von der Kulturlandschaft ins weite Land, am liebsten an Gartengrenzen, an Waldrändern und auch mitten im Stauden- oder Rosenbeet. Sie zählt zu den ZEIGERPFLANZEN. Stickstoffreiche Böden, Schutthalden, unordentliche Plätze und hinterm Haus – dort ist ihr bevorzugter Standort. Und natürlich findet man sie immer in Gesellschaft mit dem Holunder an Waldrändern. Hier bildet sie eine natürliche Barriere und lässt nicht jeden in die Waldwelt eintauchen.
Mit dem hohen Gehalt an Ameisensäure und Bienengift und Eisen bewegt sie sich in sehr animalischen Sphären. Was macht aber genau ihre Wirkung so umgreifend? Umgreifend im wahrsten Sinn des Wortes. Wer hat nicht schon mal in die „Nesseln“ gegriffen oder sich gar reingesetzt? Das schmerzt ganz schön, ist aber sehr heilsam. Sich ab und zu in die Nesseln zu setzen, erfordert Mut. Aber ich kann es nur empfehlen. Greift man also in die Brennnesseln, so brechen die feinen Kieselsäurehaare ab und setzen die brennende Ameisensäure frei, die dann die unangenehmen Pusteln und den Juckreiz verursachen. Was Besseres kann einem bei Gichtleiden, Gelenkschmerzen, Entzündungen gar nicht passieren. Also die Brennnesseln sollte man immer ohne Handschuhe pflücken. So werden den ganzen Frühling und Sommer über die Hände auf Trab gehalten und die Gelenke gepflegt. Vorsorgliche Naturheilkunde. Früher schlugen sich die Menschen bei Knieleiden und Gelenksschmerzen mit frischen Brennnesseln. Dies nennt man Urtikation und erzielt damit eine kräftige Hautreizung. Was wiederum zur Folge hat, dass der gesamte Stoffwechsel, die Gallen- und Lebertätigkeit angeregt wird. Fühlt Euch hinein, wie viel ihr von der „Brennenden Kraft“ Eurem Körper zumuten könnt. Ich will und möchte sie gar nicht mehr missen, die brennenden Hände, nach dem Pflücken, denn nicht nur dass die Gelenke jung bleiben, auch das Hautbild profitiert davon. Altersflecken an Händen oder Runzeln und Falten haben hier nur wenig Chance.
Wer die verjüngende Kraft der Brennnessel auch für seinen Teint nützen möchte, der mache sich einen Absud aus Brennnesseln und macht ein Gesichtsdampfbad damit. Ca 10 min. Etwas frischen Thymian dazugeben und die Gesichtshaut wird gereinigt und nachhaltig tonisiert.
Nicht nur von Außen, auch von Innen würde sich die Brennnessel als hilfreich für unsere Gesundheit erweisen. Kalzium, Kalium, Eisen, Histamine, Serotonin, Proteine, und Kieselsäure und vor allem viel Chlorophyll. Chlorophyll ist grünes Sonnenlicht. Und wir sollten viel von diesem grünen Sonnenlicht, das bei der Photosynthese entsteht, zu uns nehmen. Während der Photosynthese transformiert die Pflanze Kohlendioxid und Wasser unter der Einwirkung des Sonnenlichts in Kohlenhydrate. Für diesen Prozess ist auch das in der Brennnessel vorkommende Eisen. Sie ist wohl eine der klassischsten Marspflanzen (Eisenwaffen) überhaupt. Mars ist der Planet des Kriegers, der Durchschlagskraft, und hat einen besonderen Bezug zum Metall Eisen und zum Blut. Dieses Eisen kann vom Körper sehr gut verwertet werden. Das Blut ist Träger der ICHKRAFT – der Willensstärke. Bei Blutarmut sollte unbedingt auf Brennnesseltee oder Brennnesselspinat zurückgegriffen werden.
Die Eisenkraft der Brennnessel stärkt den Menschen, er wird selbstbewusst, so wie es uns die Pflanze in ihrem Erscheinungsbild vormacht. Ihre Rhythmik sorgt über das Rückenmark für eine optimale Eisenversorgung im menschlichen Körper. Ich sehe in ihr ein „Werkzeug der Natur“ für den Menschen. Brennnesseln spülen unsere Nieren und Blasenwege durch, sorgen für gutes Blut, schmeicheln unseren Haaren, sind hilfreich bei Allergien, treiben Schlacken aus dem Körper, reinigen unseren Magen. Und Rudolf Steiner sagte: „Letztlich braucht auch der Kompost zum Reifen die Brennnessel, denn Sie durchstrahlt den Kompost wie das Eisen das Blut.“ Also liebe Gärtnerfreundinnen und Freunde: Niemals ohne die Brennnessel durchs Gärtnerleben gehen!!! Gesammelt werden im zeitigen Frühjahr die ersten zarten Brennnesselspitzen. Werden die Pflanzen schon größer, so pflückt man die obersten 4 Blätter, die sind noch zart und nicht so faserig. Aus Brennnesselfaser wurde schon immer Nesselstoff gefertigt. Ein wunderbarer Stoff für Kräuterkissen. Sehr heilkräftig ist auch die gegrabene Wurzel. Frühling oder Herbst, diese Wurzel kann auch im Sommer gegraben werden. Und ab Mitte August werden dann die kräftigen, eiweißhaltigen, vor Eisen strotzenden Samen reif. Hier sollte man sich einen beträchtlichen Vorrat für lichtarme und kalte Wintertage anlegen. Wichtig ist, alles von der Brennnessel wird in der prallen Sonne getrocknet oder zumindest an warmen Plätzen im Haus. Vor allem die Blätter verfärben sich sonst unschön und sind nicht mehr so heilkräftig.
Kräuterpfarrer Künzle hat es ganz gut erkannt: „Hätte die Brennnessel keine Stacheln, wäre sie längst schon ausgerottet, so vielseitig sind ihre Tugenden!“
Botschaft der Brennnessel:
„Sieh über meine Nesseln hinweg und entdecke meine wahre Schönheit!“
Monika Rosenstatter
Brennnesselgedächtnisöl
Hildegard von Bingen beschrieb die Brennnessel als besonders gutes Mittel für unser Gedächtnis. Hierfür werden einige frische Frühlingsbrennnesselspitzen zu einem Brei vermörsert. Dieser Brei wird mit Olivenöl vermischt, die Brennnesseln sollen gut bedeckt sein. Immer gut schütteln und ziehen lassen für sieben Tage. Immer vor dem Schlafengehen werden mit dem Öl die Schläfen eingerieben. Dies sorgt zum einen für guten schlaf und zum andern stärkt es das Gedächtnis.
Brennnnessel als Kosmetikum
Ich liebe die Brennnessel. Als Widder ist das völlig normal. Ich esse sie nicht nur ich bade in ihr, ich mache meine Kosmetik daraus. Und das relativ einfach. Ich koche täglich 1 – 2 Liter Brennnesseltee. Mal stärker, mal schwächer. Diesen verwende ich als Gesichtswasser, als Badezusatz, oder übergieße meinen Körper damit und reibe den Tee dann ein, bis der Körper trocken ist. Brennnessel fördert die Zellerneuerung und wirkt wie ein Verjüngerer. Er schützt auch vor Angriffen von außen. Die Brennnessel greift keiner so schnell an.
Man kann sogar Kinder und auch Babies mit leichtem Brennnesseltee waschen oder baden. In Russland ist diese altes Heilwissen, welches gelebt wird.
Brennnessel als Gartenhelfer
Im Garten habe ich einige alte Gießkannen stehen. Immer gefüllt mit Brennnesselkraft. Wir wissen ja nur zu gut, dass sich die liebe Nessel sehr schnell ausbreitet. Ihre Wurzeln durchdringen die Gartenbeete wie Schlangen. So muss ich manchmal eingreifen und Pflanzen samt Wurzeln entfernen. Diese Wurzeln samt oberirdischen Pflanzenteilen werden in die Gießkanne gegeben, mit kochend heißem Wasser einmal überbrüht und dann wird der Rest mit normalem Gartenschlauchwasser aufgefüllt. Diese Mischung lasse ich über Nacht rasten und damit gieße ich dann meinen Garten. Dieser Brennnesseltrank nährt meine Pflanzen, stärkt sie.
Brennnesselinfusion
Die Infusion – Nourishing Herbal Infusion – ist eine ganz andere Art Kräuter zu sich zu nehmen. Es ist und war ja auch einmal sehr attraktiv Smoothies aus allem herzustellen was nur grün ist. Smoothies enthalten sehr viel Eiweiß und sind in zu großer Menge auch nicht wirklich gesund. Alles mit Maß. Nun gibt es auch noch die Form der Infusion. Hierfür wird eine große Menge an frischen oder getrockneten Kräutern mit kochendem Wasser, am besten 10 Minuten im Topf gekocht (nicht vom Wasserkocher), übergossen. Achte darauf, dass das Glas bis oben gut gefüllt ist und dann verschließe es. Lass es über Nacht, oder mindestens 8 Stunden ziehen. Im Kühlschrank ziehen lassen. Nächsten Morgen abseihen und diese geballte Kraft an Nährstoffen, Mineralstoffen, Vitaminen, … über den Tag verteilt trinken. In Amerika wird das sehr häufig praktiziert. Ich muss sagen, ich mache das auch immer öfter, mit so einigen Kräutern, aber die liebste Infusion ist mir die aus der Brennnessel. Es eignet sich auch Schafgarbe, Lindenblüte, Kamille, …
1 große Handvoll frischer Kräuter
1 Liter kochendes Wasser
1 Glas mit Deckel
Frühlingsgrüße aus der alten Mühle
Monika Rosenstatter






Danke für's Erinnern. Dieses Jahr möchte ich mich auch endlich einmal der Brennnessel widmen. Sie ruft schon so lange. Aber diese Stacheln ... dieses Jahr ist es soweit :-).