Der Tag, an dem der Fasching starb ...

Der Tag, an dem der Fasching starb, der Goldfisch zum Silberfisch wurde und die Mücke endlich zum Elefanten mutierte!

Ein Märchen von Monika Rosenstatter


Es war einmal eine Zeit, ich glaube es war zur Faschingszeit, zu der Zeit, in der der König im Land immer den großen Ball ausrichtete und Menschen aus aller Herren Länder zum Tanze geladen waren. Da drehte sich der Wind. Irgendwie hatte es sich ausgetanzt. Eine Sternenfrau munkelte schon Monate vorher von einer Stabsübergabe, eine weise Frau aus dem Osten brach plötzlich vorzeitig ihre Zelte ab, ihr Näslein roch wohl schon den Wind der Veränderung, und eine Dritte legte in ihrem letztem Atemzug den Menschen ans Herz, die Reise nach innen anzutreten, weil es für lange Zeit die einzige Möglichkeit werden sollte, zu reisen. Alle drei weisen Frauen wurden, wie es so war in der guten alten Welt, belächelt, und doch sollte das Märchen seinen Lauf nehmen. Es war im Jahr 2020, und es wurde noch kräftig getanzt und gefeiert und der König und sein Gefolge ahnten noch nichts, war das Leben doch zu schön um „wahr“ zu sein. Es wurde geschlemmt, getrunken, gelacht und ausufernd gelebt, als wäre es der letzte Fasching. Recht hatten sie, denn es war für lange Zeit der letzte Fasching. Der Tag an dem der Fasching starb, normalerweise fand die Beerdigung am Aschermittwoch statt, wurde auf 13. März 2020, man beachte das Todesdatum, verlegt. Daran sollte sich das ganze Land noch lange erinnern, denn schon bald war nichts mehr wie vorher. Es legte sich ein Schatten über das Land. Das Unbekannte, das gefürchtete Unbekannte, hatte also sein Ziel erreicht und machte sich nun breit. Mehr als man vermutete. Es kroch in jedes Eck, in jeden Menschen, erfasste die Seelen, das Gemüt, selbst die alten Kirchenmauern wurden erschüttert, erstmals standen zu Ostern die Kirchen leer. Geschlossen. Der Rubel rollte nicht mehr, die Geschäfte des Landes schienen still zu stehen und sogar die Kinder, ihnen wurde es verboten die Schule zu besuchen. Ja, früher wäre das Schwänzen der Schule nur unter Strafe möglich gewesen, plötzlich mussten sie zu Hause bleiben. Wohlgemerkt unter etwas merkwürdigen Bedingungen, aber der König und seine Ratgeber waren mit dem „Unbekannten“ dermaßen überfordert, dass Notlösungen herhalten mussten. Die Welt spielte verrückt. Ich sage Euch, ich blickte über den Tellerrand hinaus: „Das „Unbekannte“ war so groß, dass es nicht nur das Land erfasste, in dem ich lebte, es drohte die ganze Welt zu ersticken. Hinter einer Maske! War es also der Wassermann, dieser Luftikus, der zur Faschingszeit erwachte und nun der gesamten Menschheit gehörig in die Suppe spuckte? Wurde ihm also vom Faschingsnarren der Stab überreicht, als er für lange Zeit sterben sollte? Mit dem Faschingsnarren sollten die Musik, der Tanz, Feste und Feiern ins Grab mit hinabsteigen. Ausgetanzt und ausgesungen. Mit einem Paukenschlag war mit einem Mal alles Gewohnte wie weggeblasen. War es also doch nicht wahr? Mit dem Wassermann, dem großen Unbekannten, zog der Wind der Veränderung ins Land. Es wehte nun ein anderer Wind. Der Wassermann spielte auf seiner Zauberflöte und alle tanzten nach seiner Pfeife. Ob sie wollten oder nicht. Manche merkten es kaum, da sie wie ferngesteuert in Richtungen steuerten, derer sie alles andere als mächtig waren. Der Wassermann, das große Unbekannte, war ja eine geniale Erscheinung. Kaum dachte die Menschheit, jetzt haben wir ihn, mutierte schon spuckte er wieder in die Suppe. Es war ein Wettrennen gegen Zeit und Raum. „Wir brauchen mehr Zeit!“, schallte es aus einer Kammer, wir brauchen mehr Betten, keuchte es aus der anderen Ecke des Landes. Das Volk wurde zusehends unruhig, da das Königreich aus dem Ruder zu laufen schien, der Damm zu brechen drohte und die Krone des Königs wackelte. Die Zeit verging, die Menschen zogen sich zurück, viele veränderten sich, manche erkannte man schon bald kaum wieder. Es dauerte und dauerte. Der Himmel wurde blauer, die Meere reiner und der eine oder die andere entdeckte die Natur wieder für sich. Jedoch, wie es so ist im Märchen, so manche Prüfung war bestanden, so manche Hürde genommen, im Herzen sollte die Verwandlung noch auf sich warten. Da musste schon mehr passieren. Denn wäre der Wassermann gleich wieder von Dannen gezogen, hätte die Menschheit schneller als man glaubte, im selben Trott weitergelebt, Mutter Natur mit Füßen getreten und die Erde sich weiterhin untertan gemacht. Irgendwann hat nämlich der Mensch etwas verwechselt. Er nahm eine Aussage wörtlich: „Mach Dir die Erde untertan!“ Ja die Symbolsprache will gelernt sein, ansonsten wird sie gefährlich! Gesagt, getan, und der liebe Mensch legte aktiv los. Er war so aktiv, dass er den passiven Teil, den doch jeder in sich trug, vergaß und rackerte und werkte und schaffte. Es war so, bei aller Liebe, es war im Plan so geschrieben. Gezählt wird im Universum noch immer nach höheren Prinzipien. 1,2,3, … Das Passive ertrug tapfer, als jedoch das Jahr 2000 schlug und mit ihm das Wesen der „ZWEI“, das Weibliche, die „EINS“ ablöste, vermutete schon so mancher kluge Kopf, dass sich etwas grundlegend ändern sollte in dieser Welt. Ja, wie oben so unten und wie im Großen, so im Kleinen. Es wurde im Universum einfach weitergezählt. Ob der Mensch wollte, oder nicht. 1,2 und so wurde auf die 3 zugesteuert. Was aber noch in weiter Ferne lag. Das Göttliche, das ja auch noch ein Wörtchen mitzureden hatte, war ursprünglich die Aktive Kraft und der Mensch sollte der passive Teil der Geschichte sein. Der Mensch hatte bei all seiner Aktivität vergessen zuzuhören. Passiv zu lauschen, zu empfangen. Empfangen. Die Botschaft empfangen und so auf der Erde zum Wohle aller zu handeln. Der Mensch glaubte Gott selbst zu sein. Er war ein göttliches Wesen, aber nicht Gott. Halleluja! Das Empfangen wollte also nun neu gelernt werden. Die Verbindung zwischen innen und außen sollte neu kalibriert werden, die Verbindung von Erde und Himmel, von Polaritäten war gefordert. Bei derart schwierigen Aufgaben der Menschheitsgeschichte war der „urnarrische“, geniale, superflexible Wassermann der Richtige! Mal ganz ehrlich, am Königshof war der Hofnarr der Einzige, der dem König widersprechen durfte. Welch‘ Kraft wohnte also nun diesem „Unbekannten“ inne? Wahrliche Sprengkraft! Kein Stein blieb auf dem anderen und was gestern Gelb war, war morgen Lila, was fest war, zerfloss, was aufgebaut war, zerbrach, … und manche Mauer die bröckelte, ließ plötzlich Licht in den Garten und diejenigen im Volk, die stillen Beobachter, nutzten diese Lichtblicke und trainierten die Kunst der Flexibilität. Flexibilität war eine völlig neue Zauberkraft, die der Wassermann ins Land brachte. Von den meisten Menschen wurde sie erst noch falsch verstanden, geschweige denn erkannt. Diese weise Kraft des Nordostens, das ist jene Kraft, die alles sprengt, meist kommt sie zur Lichtmesszeit, Faschingszeit, wenn sie das Eis schmilzt, das Festgefrorene, Erstarrte, Veraltete aufbricht, diese Zauberkraft wurde dem Menschen in den Schoß gelegt. So war es. Es war wieder Faschingszeit, ein Jahr später, und alle dachten sich, der Fasching wäre gestorben. Es schien so. Der Faschingsnarr und der Wassermann trafen sich wieder zu Lichtmess auf der Brücke zwischen Dort und Da und Drüben und lange hörte man das Lied des Faschings noch im Weltenraum verhallen: „Oh, Du lieber Augustin, Augustin, Augustin, oh Du lieber Augustin alles ist hin! Oh Du lieber Augustin… Und der Wassermann schmunzelte, spielte auf seiner Zauberflöte, spuckte der Menschheit weiter in die Suppe, denn irgendwie mussten sie ja diese ganz neue Zauberkraft erlernen, er ist schon ein wahrlich guter Lehrmeister, und hielt das Abschiedsgeschenk von Freund Fasching in der Hand. Ich darfs nicht laut sagen. Er lachte sich krumm und schief. Er hielt die Maske des Faschings in der Hand. Die ganze Menschheit dachte, der Fasching wäre verstummt, gestorben, verblichen, dabei trug jeder Mensch eine Maske auf der Nase, im Gesicht. Der eine so, die andere anders. Der Fasching lebte in den Masken weiter. Die Menschen hatten noch viele Prüfungen zu bestehen bevor sie die Botschaft der Maske und des großen Unbekannten mit ihrem Herzen und ihrem Geist fühlen und verstehen konnten. Es sollte die Zauberkraft der Flexibilität, des Empfangens, Zuhörens, der Demut und der Einsicht und Innensicht, der Menschlichkeit als Ganzes zu einer weiteren Verwandlung führen. Vorerst wurde aus dem Ball des Königs eine Expertenrunde, und das Volk selbst wurde zu Experten. Man tanzte sich auf der Nase herum, trat sich gegenseitig auf die Füße, verlor das Taktgefühl und vom Rhythmus konnte die Menschheit nur träumen. Bis die Harmonie wieder hergestellt war, bedurfte es noch einiger genialer Komponisten. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann tanzen und singen sie noch weiter. Der Fasching und der Wassermann. Und ich hab sie belauscht diese zwei Narren. Der Fasching hat laut gesungen: Oh du lieber Augustin!... und der Wassermann hat ihn auf seiner Zauberflöte begleitet. Und der Fasching sprach zum Wassermann: "Wer mit einem Augenzwinkern stirbt, lebt länger als gedacht!"


Kleingedrucktes: Wolfgang Amadeus war im Zeichen des Wassermanns geboren. Er schrieb die Zauberflöte nieder, war ein genialer Musiker und eine begnadete Seele.

Die Nordostkraft ist eine der stärksten „geistigen Kräfte“ der Schöpfung dieses Zeitalters. Der Ausdruck im Irdischen findet sich im „Weisen Narren“ – Der Wassermann (Uranus) verkörpert dies als Planetenkraft. Stirb und Werde sind die Kräfte, die der Narr versteht zu meistern!

Die Zahlenordnung ist natürlich und aus der 0 kommt die 1, die 2 und alle weiteren Zahlen. Eines bedingt das Andere. Die 1 und 2 werden gerne als männlich und weibliche Ausdruckformen angesehen, zu oft wörtlich genommen. Warum schrieb wohl schon Gothe“ Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust!“ ?

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