Der Tag an dem die alte Wirklichkeit verblasste

Der Tag an dem die alte Wirklichkeit verblasste – Eine Erinnergeschichte aus der Welt „Es war einmal“ … von Monika Rosenstatter - deren Namen wir heute nicht mehr wissen, da ja selbst die Namen verblassten.


Es war November. Ein Freitag. 17:00 Uhr. Die Dämmerung legte sich übers Land und wie an jedem Tag verblasste der Tag. Doch in diesem Jahr, wir zählten das Jahr 2021, begann auch die alte Wirklichkeit sich aufzulösen. Jeden Tag wurde die Vergangenheit um ein Stück leichter, weniger, und sie verpuffte im Universum. Die Geschichten, ja ganze Lebensgeschichten der Menschen zerbröckelten. Aus uralten Steinen wurde Sand. Sie zerbröselten, wurden zu Nichts. Es war sogar so, dass die Erinnerungen an alte Zeiten verblassten. Aus der Verschwendung des Lebens wurde die Verschwindung. Ausnahmslos jedes Stück Wahrheit, Materie, Sein hier auf Planet Erde, schien sich zu verändern und dem Wandel hinzugeben. Manches freiwillig, manches scheinbar gezwungen. Scheinbar. Auch SCHEIN-BAR begann sich zu verändern. Aus Scheinen und Bar-Geld wurden digitale Werte. Gesichter hatten das Glück sich hinter Masken wandeln zu dürfen, da manch Gesichtsausdruck nur mehr einen fahlen Eindruck dessen spiegelte, was die Auflösung der doch so schönen Wirklichkeit, die mancher erst jetzt schätzen lernte, Spuren hinterließ. Ob das Wort Spuren noch länger der Sprache dienen konnte, weiß ich nicht, da ja Vergangenheiten schon Geschichte waren. Die Menschen auf Planet Erde wurden ganz auf sich selbst zurückgeworfen. Ins pure Jetzt und Sein. Es machte sich eine eigenARTige Schockstarre breit. Was in der absolut fast unerträglichen Schnelllebigkeit sich unglaublich rieb und Hitze erzeugte. Alles ging schnell und doch ging nichts voran. So machte es den Anschein. Und doch passierte etwas Unglaubliches. Je mehr sich täglich alles auflöste, desto mehr verschmolz so mancher Mensch mit allem. Manche nahmen wahr, wie sehr alles in sich vermischt, verwoben, vereint war und das gab ihnen Halt. Es war der Atem, den man an manchen Tagen glaubte, anhalten zu müssen, der mit allem Verbundenheit fühlen ließ. Dies schenkte Vertrauen. Und so begannen immer mehr Menschen in die Stille zu gehen. Einfach nur mehr atmen – sagte der eine zur anderen. Und es sprach sich herum. Jedes Wort das noch gesprochen wurde, löste immer wieder neue Geschichten aus, die dann wiederum Energie verbrauchten um aufgelöst zu werden. Es stellte sich heraus, dass es unglaublich wertvoll war, wenn man sich einfach nur in die Augen blickte. Wenn man stehen blieb, und sich ansah, umarmte oder einfach neben einander saß. Das Nichts, das Chaos betrachtend, schweigend. Und so die andere Seele fühlte. Die Menschen merkten, wie klein die alte Haut doch schon war und wie unwohl sich man darin fühlte. Die Man-Haut wurde abgelegt, das neue Kleid nun angepasst. Ganz individuell. Fühlen. War das neue Wort. Es war November. Es war 17:22 und es war nun Abend geworden. Viele Jahre später. Die Menschen haben ein völlig neues Sein entwickelt. Sie hatten eine unglaubliche Ruhe, die sie Botschaften empfangen ließ. Im Herzen, mitten in ihren strahlenden Körpern. Die Körper waren zu wunderbaren Kleidern geworden. Der Seelengeist war verwoben mit den zeitlosen Körpern und es war einfach Liebe. Liebe zu allem. Sie nährte so unglaublich gut. So unglaublich gut. Die Folge davon? Kein Müll, kein Abfall,… diese Worte sind auch verblasst. Gehörten einer Geschichte an, die zur Geschichte wurde. Was aber keinen mehr berührte. Berührend war jeder Moment, der im Jetzt erlebt wurde. Es wurde auch nicht mehr festgehalten. Wozu auch? Wer fähig ist, im Jetzt zu leben, weiß, was Glückseligkeit ist. Es war nun JETZT. Es war nicht Tag und nicht Nacht. Es war Licht.

Ich kann mich heute nicht mehr erinnern, nur noch innen in mir drin spüre ich, da war eine Geschichte die schön war. Es war ein Zeitalter der Menschheit, das dazu gehörte zum Weg und doch war es vorbei. Ich habe mich so gut es ging mit Atmen über Wasser gehalten. So sagte man doch früher, oder? Ah ja.. und lachen. Lachen ist mir geblieben. Weil das das ist, was ich so gut kann. Und das hat mich durchgetragen. Und der Tag, an dem ich merkte, dass die alte Wirklichkeit mehr und mehr verblasste, an dem Tag, weinte ich. Das kann ich auch gut. Fühlen. Das kann ich auch gut. Und JETZT, ist aus meinem Fühlen, Hellfühlen geworden. Und das ist wahrlich genial. Was im Licht so alles möglich ist. Wenn ich das nun niederschreibe im Jahr 2021, gibt’s noch alte Erinnerfetzen an die alte Wirklichkeit, Ängste die in die Zukunft wachsen, und doch wissen meine tippenden Finger, lächeln dabei, alles ist gut. Just be. Selbst die Worte, ich vermute so gut wie alle, die ich hier niederschreibe, sind Illusion. Vergänglich. Das wird mehr und mehr klar. Und wenn mich auch nur wenige verstehen, meiner Wirklichkeit folgen können, so fühl ich mich wohl dabei. Das fühle ich. Manch einer mag sagen, ich flüchte in die Zukunft. Nö, ich lebe EINfach. Im JETZT. Hab all die alten Sachen aus meinem Rucksack geräumt, er hat sich übrigens auch aufgelöst. Wozu braucht man einen Rucksack, wenn man im JETZT lebt.


KLEINGEDRUCKTES: Wortspinnereien sind eine Survivaltechnik aus Utopien – aus der Schublade der Humoristik.


Monika Rosenstatter 5 11 2021 /12/3