Das Wasser sucht sich seinen Weg, ganz gleich wie die Seele

Die alte Mühle steht an der Oichten, einem uralten Gewässer, ihr Name reicht bis zurück in die Zeit der Kelten - so sagte mein Schwiegervater, der Keltenforscher. Vor einigen Tagen kam ich früh morgens zu unserem neuen Anwesen, alles war noch im tiefen Nebel versunken, die Wiese taunass und von der Ferne starrten mich schottische Hochlandrinder an. So mächtig, so ruhend in sich, so eine Kraft. Die Hörner ragen in den Himmel, das Fell so zottelig und die Stiere ein Sinnbild für diese Erdenschwere, für die Erdverbundenheit, welche wir auch vom Sternbild des Stieres kennen. Taurus. Die Mühle ist umgeben von Tieren. Im Osten weidet eine große Herde Widder, im Norden kommen bald wunderschöne schwarze Hengste und im Südwesten weiden sie Rinder. Dazwischen schlängelt sich ein Bachlauf.



Ein Bachlauf wie man ihn heutzutage suchen muss. Der Bach gräbt noch - so sagt man, wenn er natürlich fließen darf. Mäander bahnen sich den Weg.

Es ist faszinierend. Ich habe noch nie einen Bachlauf so intensiv verfolgt, er gräbt sich durch das Erdreich wie eine Schlange, wenn man ihn lässt. Findet den für sich und die Umwelt besten Weg. Die Mäander bilden zahlreiche Uferzonen, Nistplätze, natürliche Zonen für ausgefallene Pflanzen. Ein von Menschenhand geführter Bachlauf bringt nie die Vielfalt hervor im Vergleich dazu.

Mühlen sind Plätze an denen die Energie des Wassers präsent ist. Überall am Grundstück blubbert es und riesige Moospolster ziehen sich über alte Steinhügel und weite Flächen.



Gestern haben Helena und Klara und ihre kleine Freundin schon alte Töpfe mit Moos ausgepolstert, liebevoll Narzissen, Hauswurzen, Steine, Schneckenhäuser und mit Wachs gefüllte Eierschalen gestaltet. Der neue Platz darf sich nun gestalten. Ein neuer Ort liebt Kinderlachen, Kinderhände. So belebt es sich so einfach. Kinder erwecken Gärten zum Leben.


Nun aber nochmals zum Wasser und dem Mühlenbach. Alles ist bereits voller Frühlingsknotenblumen, 100e Gelbsterne sind in den Startlöchern und Teppiche aus Lungenkraut und Gänseblümchen und mein so sehr geliebtes Milzkraut.

Das Milzkraut ist wohl eines der vergessensten Pflänzchen. Sie ist eine Pflanze aus alten Zeiten, die sich hineinwebt in die neue Zeit. Sie stärkt vor allem die Milz- was ja ihr Name schon sagt, und die Gebärmutter. Milz, Gebärmutter, Blut und unser Bauchnabel arbeiten eng zusammen.

Das Milzkraut wächst in der Mühle vor allem dort, wo mal der alte Mühlenbachlauf verlief. Denn auch wenn man den Bachlauf verlegte, ihn umleitete, läuft unterirdisch das Wasser weiter. Die natürliche Linie. Ich lausche oft, wenn ich am Mühlrad stehe - unter dem Schotter hört man den Wassergeist glucksen und sein Unwesen treiben.


"Das Wasser sucht sich den besten Lauf, wenn man es lässt. Ebenso tut es auch die Seele. Gerade würde ein Bach nie verlaufen, es wäre wider die Natur. Ebenso will es die Seele. Sie will durch die Kurven die sie stets einschlägt, Neues kennenlernen. Die Seele ist neugierig!"


Grüße vom Mühlenbach!

Eure Monika




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