Der Tag bricht an. So wie ein neues Leben. Heute möchte ich über Geburten schreiben. Frauen gebären Kinder, werden zu Müttern. Jede Geburt ist ein Wunder für sich. Beim 1. Kind weiß man noch nicht recht, was auf eine zukommt, beim 2. Kind eigentlich auch nicht besser, weils ja meist anders wird,... und beim 3. Kind... Ja jede Geburt ist anders und nicht immer so wie man es sich wünscht. Ich selbst habe dies erlebt. Und nun erlebe ich es immer wieder in der Begleitung von Frauen, welche Geburten gerade hinter sich haben oder vor sich haben.

Nun, wenn ein Kind geboren wird, beginnt eine neue Geschichte. Eine Geschichte des Kindes auf dieser Erde, eine Geschichte für Mutter und Kind und eine Geschichte der Familie. Vater, Mutter, Kind. Alles baut sich neu zusammen. Jede Geschichte hat einen Anfang. Und genau um diesen Anfang dreht sich meine Geschichte heute, denn manchmal glaubt man als Frau einen Fehlstart hingelegt zu haben. Die Geburt war anders als erwartet. Eine Frühgeburt, ein Kaiserschnitt, eine Zangengeburt,... wie auch immer. Sehr oft leiden Frauen genau unter diesem Start für ihr Kind in diese Welt. Die Frau glaubt versagt zu haben, etwas falsch gemacht zu haben, möchte die Geburt am liebsten wiederholen, was nicht möglich ist, macht sich Vorwürfe... Der Kopf ist voller Gedanken und die Tränen fließen. Ja, solche Starts ins Leben gibt es täglich in Krankenhäusern und bei Geburten. Es ist natürlich. Weil es einfach so ist. Ich selbst glaubte damals bei einem meiner Kinder die Geburt wiederholen zu müssen, versagt zu haben... jahrelang schleppte ich das mit mir herum. Bis ich verstand. Es gehört zur Geschichte. Es war der Anfang. Und darum geht es. Es bräuchte eine gute Zuhörerin, eine sensible Zuhörerin in den Krankenhäusern, die merkt, wenn genau das Thema bei einer Mutter abläuft. Es würde oft genügen zu der frischgebackenen Mutter zu sagen: Komm. Ich hör Dir zu. Erzähle mir von der Geburt. Wie war es?

Oft habe ich erlebt, dass vor allem noch im Wochenbett das Gespräch über die Geburt Wunder wirkt. Und die Zuhörerin ist ganz Ohr. Sie hört einfach zu. Redet nicht und hört die Geschichte der Geburt. Denn es ist eine Schöpfungsgeschichte. die Zuhörerin hilft der Frau lediglich noch einmal einen Blick auf alles zu werfen, sich allem hinzuwenden, gibt ihr die Möglichkeit im geschützten Raum die Geburt nochmals zu erlebe, hinzusehen. Und dann besteht die Kunst darin, die Frau darin zu bestärken, dass egal wie die Geburt war, oder was alles war, oder wie es jetzt ist, diese Geschichte als Start anzunehmen. Diese Geburtsgeschichte nicht auszugrenzen, ruhig auch Tränen und sogar Wut hochkommen zu lassen... um dann zu sagen... Ja, ich kann diesen Start der Geschichte, unserer Geschichte jetzt annehmen, anderes sehen. Und dann können Mütter ihre Kinder oft erst richtig annehmen, Angst für weitere Geburten könnten gemindert werden. Es ist wirklich oft wunderbar zu erleben, wie sehr es den Raum öffnet, wenn die Geschichte nochmals erzählt wird, manches sich im Erzählen wandeln darf. die Zuhörerin hat den Part der Zuhörerin. Das ist ganz wichtig.



Ein kleines Gedicht habe ich in einem sehr alten Buch gefunden. Meine tochter schenkte es mir. Sie sagte auch nach der Geburt ihres kindes zu mir: Mama darf ich dir die ganze Geschichte der Geburt erzählen? Und es war gut so.



An ein Kind

Noch wiegt dich sanft der Mutter Arm,

und ihres Auges treue Hut

schützt dich vor allem Leid und Harm,

du weißt noch nicht, was bös und gut.

Es kommt die Zeit, wo du's verstehst,

und mit der Zeit die Prüfung kommt,

wo du auf eigenen Bahnen gehst

und selbst muss wälen, was dir frommt.



Man füllt die Wahrheit nicht wie Wein

aus einem in den andern Krug:

Sie will durch Kampf gewonnen sein,

und wie den Acker erst der Pflug

durchlockert, dass die junge Saat

aufkeimen mag in seinem Schoß,

so ringt sich nur durch gleiche Tat

in uns der Keim der Wahrheit los.



Doch was auf Erden soll gedeihn,

im Acker wie in Geist und Herz,

braucht Segenstau und Sonnenschein

und strebt zum Licht auf, himmelwärts.

Gott waltet, dass sich einst erfüllt,

mein holdes Kind, in seinem Geist,

was dir mein Wunsch im Lied enthüllt:

dass du ein Kind des Segens seist!


Friedrich von Bodenstedt

Monika Rosenstatter

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