Vom Jänner, den Rauhnächten und vom Bauernwinter
 
Es bläst der Wind um die Häuser und die Bäume singen das Lied der Zeit. Das Lied der Unendlichkeit. Die Flocken tanzen und die Sonne hat sich lang nicht mehr gezeigt. Die Jänner-Rauhnächte legen sich uns in den Schoß und fordern uns auf, zu lauschen. Hört die Stimme der Percht, der Ahnengeister, der wilden Gestalten. In Fetzen, bunt und zerzaust scheppern und krachen sie über die Felder, durch die Gassen. Es ist ein besonderes Treiben, das nicht Jedem sichtbar ist. Aber dieses Treiben und dieses Spiel, dieser besondere Gesang hält das Rad am Laufen. Manchmal schlüpfen Menschen in diese Ahnengeister, nehmen ihre Gestalt an und spielen das Spiel mit. Es wird damit das ewige Spiel vom Kommen und Gehen symbolisiert. Es wird die Tür geöffnet, hereingelassen und wieder verabschiedet und hinter sich gelassen. Die Leiter wird rauf und runter geklettert. Die Seelenzüge, die Totengeister, die Wilde Jagd, die Winna, die Kachinas, auf der ganzen Welt wird dieses Spiel gespielt. man ennnt dies: Das Universum hegen. Wenn es auch manch einem als komisches tun erscheint, als komisches Treiben, es ist wichtig und richtig. Die Jungen schauen zu und lernen, die Mittleren gesellen sich in Gruppen und spielen das Spiel, und die Ältesten hegen das Universum in der Stille, in der Berghöhle. In allen Kulturen finden wir dieses Wirken.Damit wird das Unsichtbare Rad am Laufen gahlten. Es dreht sich um die Axis Mundi. Gespielt wird in der Axis linearis. Das ewige Binden und Lösen wird geübt. In unserem Land ziehen seit dem Seelenfest, Allerheiligen und noch vermehrt, seit Beginn des Bauernwinters am 11. November, am Martinstag, diese Wesen oft sehr sichtbar durchs Land. Nun kann gesprochen werden mit denen, die vor uns waren. Sie warten drauf. Nun kann verhandelt werden und in den verschiedensten Welten und Zwischenebenen noch Vergebung, Versöhnung stattfinden. In dieser Zeit, dem Bauernwinter, der vom 11. November bis zur Fasnacht dauert, lebt er auf, der Ahnenkult. Und wer offen dafür ist, nimmt dieses Angebot an. Nicht selten nimmt der Seelenzug auch einige Seelen mit auf seinem Weg durch unser Land. Wenn die Winna, die Percht Dein Gesicht berührte, dann hieß es früher, in den nächsten Tagen wird das Zeitige gesegnet. Es ist ein steter Tausch. Denn genau so wie genommen wird, wird auch gegeben. Und so ist es, dass viele Seelen nun auch herübergleiten über den Regenbogen und so ihr Nest im Schoße einer Frau finden. Es nistet sich ein Seelchen ein. Die Seelen kommen „Nieder“. Daher rührt auch der schöne Ausdruck, der früher für das Gebären verwendet wurde. Die Niederkunft. Diese Jännerzeit schenkt uns etwas Besonderes zu Jahresbeginn. Einerseits ist noch alles sehr ernst und besonders heilig. Die Weihnachtszeit schwingt noch durch die Räume. Und andererseits spielen schon die Narren herein. Es riecht schon nach Fasching, so ganz unmerklich. So manchem juckt es schon und der „Gspürige“ fühlt sehr wohl die Wende hin zum Licht. Bis dahin gilt es aber noch einige Tänze zu tanzen. Da müssen wir noch über die Lichtmess drüber und die Marienglöckli (Schneeglöckchen) finden, bevor die Faschingsnarren dann auch die bunten Frühlingsboten ganz erwecken. Noch liegt das Gras unterm Schnee. Noch bläst uns die Percht ums Ohr und noch ist es die Zeit in der wir uns nach innen wenden, innehalten. Den Atem fast anhalten, weil so vieles in der Luft liegt, was wir kaum fassen können. Lausche dieser Magie. Schließe die Augen und spüre wie alles pulsiert. Dreh Dich um Dich selbst und Löse und Binde und Löse und Binde und atme...und halte die Luft an... Staune...
 
Herzlichst Eure Monika Rosenstatter