Seile, Schnüre, Knoten ... Ahnen, viel Geschichte, der Weg in die Wildnis und hoch oben am Berg ...

Es ist wieder soweit. Ich packe gerade mein Bündel für die Wildnispädagogikausbildung. Packe meine Schnüre und Seile ein. Meine Schlafmatte aus Schafwolle habe ich mit Großvaters selbst gedrehtem Seil zusammengeschnürt. Ich habe noch ein ganzes Bündel von ihm. halte es in Ehren. Sogar die Haken hat er selbst geschnitzt damals. Viele Fäden meiner Ahnen finden in mir wieder zusammen. Lass Dir erzählen ...




Großvaters selbstgedrehtes Seil. Meine Großmutter hat mir vor einigen Jahren diese Seile geschenkt. Ich halte sie in Ehren. Palstek - ein Knoten. Trockentraining Knotenkunde ist relativ easy - wirklich spannend werden die Knoten, wenn sie auch Dinge zusammenhalten sollen, um Bäume befestigt werden ... Da gehts nochmals eine Nummer tiefer... bis Knoten wirklich sitzen und auch anwendbar sind, vergeht viel Übungszeit:)






Handwerk, Handarbeit, Kunsthandwerk liebe ich schon immer. Nicht das normale Handwerk nach Mustern, Formen und Schriften, eher das Kunsthandwerk, das selbst erschaffene und erforschte Kunsthandwerk. Das Kunsthandwerk sich frei erschaffend und schöpfend. Das ist es, was ich so gerne mag. Das Tüfteln und Forschen, das Probieren und Entdecken. Es war einmal vor vielen Jahren, da kam so in meinen Gedanken das Weben von Stoffen, das Binden von Fäden und das Spinnen von Garnen vor. Ganz so recht wusste ich nicht, was diese Botschaft bedeuten sollte. Meine Arbeit basiert auf Kräuter- und Baumheilkunde, Wildnispädagogik und Gesang, auf Wort und Kunst. Eigentlich habe ich in meinem Leben immer schon alles verwoben. Aber es kam der Tag, an dem ich im Wald bei meinen lieben Wildnisfreunden saß und sie lernten mir das Faden zwirnen. Es war damals Eschenbast, aus dem ein Faden sich wirkte. Sofort hatte ich mich verliebt in dieses rhythmische Zwirnen. Das Tun und vor sich hin werkeln war wie ein unhörbares Lied. Das war wahrlich meins. So kehrte ich aus dem Wald heim und es ließ mich nicht mehr los. Immer wenn ich irgendwo herumsaß und irgendwo einen Grashalm fassen konnte, zwirbelte ich schon wieder einen Faden. Bis heute ist das so. Sogar wenn ich mit Klara unterwegs bin. Schwupps und schon wieder ein Haselstecken schenkt mir Bast und ein schützendes Band entsteht. Und so entstand einfach durch Tun ein Wissen über die Eigenschaften und Beschaffenheit von Materialien und ihrer Verarbeitungsbereitschaft für mich. Die Krönung ist natürlich das Brennnesselgarn. Dies gestaltet sich bis heute als sehr mühsam, und so weiß ich auch, dass ich bei diesem Projekt noch nicht am Ende meiner Weisheit bin. Inzwischen bin ich mit Ergebnissen schon recht zufrieden, aber ich weiß, dass es noch eine Forschungsreise gibt zu diesen Brennnesselfasern und ihrer Gewinnung. Noch bin ich nicht ganz am Ziel. Und ich weiß, dass sich einige erwarteten, dass ich so „easy cheesy“ nun Brennnesselfaser herstelle, und zwar so viel, dass man sie sogleich am Spinnrad verspinnen kann. Natürlich kann ich die mühsam hergestellte Faser im Rad verspinnen, aber dafür braucht es viel Faser und darum bleibe ich noch immer beim Handzwirnen, bei der Qualität und nicht der Quantität. Ich bin zufrieden mit den magischen Garnen und Schnüren für Kleinigkeiten. Mit den Garnen binde ich Pflanzen in meinem Garten hoch, mache magische Armbänder, kleine Beutel und Schmuck, verfeinere Geschenke damit und natürlich sind es ebenso Wirkzeuge in Ritualen. Und der größte Schatz sind sowieso die Geschichten beim Zwirnen, die Erkenntnisse beim Tun. Die Zeitpunkte, wenn ich in die Welt hinter der Welt eintauche, weil das Zwirnen mich in Trance versetzt.


Der Mensch und das Seil … ein lange Geschichte, und eine archaischeTradition