Neues aus meiner Märchenwelt

Seit gestern bahnte sich wieder etwas an. Ich spüre, wenn ich in der Badewanne liege und leise werde. Wenn ich zu lauschen beginne und sich innerlich ein Märchen schreibt.


Nun hab ich es geboren.

Möget ihr viele versteckte Botschaften darin entdecken. Aus dem Jahrekreis, dem Naturmentoring, von hier und dort ...

Vielleicht magst Du dir Zeit nehmen um einzutauchen in die Webmuster vieler Zeiten.



Die alte Haglerin oder die Geschichte von der anderen Seite
Ein Märchen von Monika Rosenstatter

Es war einmal ein altes Weiblein. Ich kannte sie seit meiner Kindheit. Ich besuchte sie immer im Frühling im Sommer und im Winter. Immer dann, wenn alles zu blühen begann, wenn die Mohnblumen blühten, die Äpfel reif waren und der Schnee zu Weihnachten das Land zudeckte. Dann besuchte ich sie, die alte Haglerin. 
Einmal sollte es aber so sein, dass ich im Mai zur Weißdornblüte den Weg zur alten Haglerin nahm. Ich kann mich kaum daran erinnern, warum ich eigentlich zu einer ganz anderen Zeit als gewohnt zur Haglerin wollte. Mein Herz zog mich hin. Ich folgte dem Ruf. Es war besonders reizvoll einmal durch die Maienwiesen zu stapfen, den blühenden Wald und dem Ruf des Kuckucks zu lauschen. Ich war gerade frisch verliebt und so wollte ich bald wieder zurück sein bei meinem Herzallerliebsten. Also beeilte ich mich. Als ich an der Haglerin Tür klopfte, da war es still. Niemand öffnete mir die Tür und so streifte ich ums Haus und hinterm Haus da sah ich sie von weitem auf dem Feld stehen. 
Da stand sie. Mitten in der bunten gelbrosaroten Maiwiese. Ihr Blick war Richtung Nordwesten gerichtet und ihr Rücken wurde von der Südostsonne beleuchtet. Als ich neben ihr stand, sagte sie mit bedächtiger Stimme: 
Heuer ist etwas anders. Die Wiese blüht bunter, die Blumen duften verlockender und der Kuckuck ruft lauter. Sie schüttelte den Kopf ein wenig und dann nahmen wir den Weg auf ihre Veranda. Sie erzählte mir vom Baden im Maitau, lernte mir ein Marienlied, und so schnell verging die Zeit, dass es gleich Abend ward. 
Wir verabschiedeten uns, sie strich mir übers Haar und schenkte mir ihren Segen für meine noch so frische erste Liebe. 
Auf dem Nachhauseweg zogen die ersten Wolken übers Land und Wind kam auf. Als ich die Tür schloss, bebte die Erde. Ein Blitz fuhr direkt durch die Bäume und ließ alles erzittern. In dem Moment fiel mir die alte Haglerin ein. Sie wollte ja ins Unterholz gehen. Sie wollte unbedingt noch die Weißdornblüten sammeln und die Einbeerenblüten befragen, wie denn heuer die Ernte wird. Ich wollte hinaus bei der Tür, die alte Haglerin – sie war alleine im Unterholz. Dorthin wo immer die Muren abgingen und die Gewitter besonders mächtig waren.  Mein Herz klopfte und ich hatte große Sorge um meine alte Freundin die Haglerin. Der Wind presste die Regentropfen an die Tür und es war kein Öffnen möglich, jeder Blitz ließ die Erde beben und dann begann es zu trommeln. Ein Hagelschauer zog übers Dach. Ich saß da wie gebannt in meiner Stube und kein Gebet wollte mir einfallen, kein Zauberspruch, nichts. Leer. Ich war einfach leer und wie gelähmt. 
Irgendwann in der Nacht, als alles vorüber war, packte ich mein Bündel, ging hinaus und sah die Verwüstung. Ich musste zur Haglerin. Nach ihr sehen. 
Als ich in ihrer Hütte am Waldrand ankam, stand die Türe offen. Die alte Haglerin lag gepeinigt auf ihrem Bett. In ihrer alten großen Schürze lagen Hagelkörner. Eine Handvoll Hagelkörner. Sie hatte schon mal etwas erwähnt von den Hagelkörnern, doch konnte ich mich wahrlich nicht mehr daran erinnern. Ihre Hände waren warm und ihr Blick milde. Sie schaute mich an und sagte: „Das war ein Gewitter von der anderen Seite.“ 
Und ich schaute sie fragend an. „Weißt Du