Das Leben als Kräuterfrau ...

Viele, viele Jahre arbeite ich mit Kräutern. Ich pflanze, sammle, ernte, bereite dies und das und Medizin. Viele Ebenen von vielen Pflanzen habe ich über die Jahre erforscht und immer wieder zeigen mir Erlebnisse mit Menschen und Pflanzen ihr Wesen. Erst letzte Woche erlebte ich, wie eine ganz ungewöhnliche Pflanze sich zeigte, der Blasentang, ist das überhaupt eine Pflanze? - sie suchte den Weg genau zu dem Menschen, der sie brauchte um die Transformation, die sich gerade zeigte, zu begleiten.

Manchmal ist es atemberaubend, wie lebendig doch Pflanzenwesen agieren, wenn wir mit ihnen Kontakt aufnehmen. Meine Leitung ist ja nach wie vor das Hinhören und natürlich das Kartenlegen. Eine kleine Zigeunerin steckt wohl in mir.

Nach viel Zeit, die ich momentan in der Praxis verbringe, genieße ich die Zeit, in der ich Kräuter sammle und ernte umso mehr. Immer inniger wird die Beziehung zu den Pflanzen. Von Jahr zu Jahr entdecke ich selbst bei den herkömmlichsten Kräutern immer neue Seiten und Wesenszüge.

Seit Tagen ernte ich Eibisch, Zitronenmelisse und Bachminze. Besonders die Samen des Eibischs haben es mir heuer angetan. Diese runden Samenpakete sehen aus wie kleine Brotlaibe. Und ganz ehrlich: So nannte man sie auch früher im Volksmund. - Brotlaibe.

Verzehrt man sie noch frisch und grün, also unreif, so werden sie ganz schleimig. Sie pflegen die Schleimhäute und sind perfekte Rachenzuckerl, wenn der Hals kratzt. Getrocknet geben sie auch noch Schleimstoffe ab, vor allem, wenn man sie gut kaut.



Nun die Bachminze, welche in der Mühle besonders üppig wächst, stellt für mich auch ein völlig neues Feld. Minze war immer so gewöhnlich und alltäglich. Und doch ist nun besonders die Wasserminze - Mentha aquatica - nun eine meiner Lieblingspflanzen des Jahres 2021. Ja man kann wohl schon zurückblicken auf die Kräutersaison 2021. Die Wasserminze ist eine uralte Druidenpflanze. Ihr Wuchs. ihr Duft und ihre Blüten sind besonders eigen. Bereits im Jänner dieses Jahres wuchs sie unter der Wasseroberfläche des Baches und anhand der Blattform konnte man nicht erahnen, dass es Wasserminze ist. Ich gestehe, noch nie zuvor haben ich so eine eigentümlich wachsende Minze gesehen. Im Frühling erhoben sich die Unterwasserpflanzen plötzlich aus dem Wasser und begannen ihren Duft zu verströmen. Gestern erntete ich wieder Blätter, jedes einzeln, um den Stauden nicht zu schaden, für Tee, Räucherwerk und Tabak. ja, Wasserminze wurde bei den Kelten auch als Tabakskraut verwendet.

Diese Woche hatte ich ziemlich viel Minzebegengungen. Auch als spagyrische Essenz zeigte sie sich einmal und da wurde mir erst bewusst, warum ich ganz viele Minzen pflanzte. Ich pflanzte um unsere keltische Feuerstelle ganz viele verschiedene Minzearten. Ich legte sogar einen Weg an, und stelle mir vor wie dann einmal die Menschen durch den Minzeweg streifen und so ihre Gedanken reinigen und sie berührt werden von diesem unsagbar guten Duftgeist.

Den Start machte ich ja bereits im Sommer, als ich den Apfelbaum pflanzte und darunter bereits einige Minzen. Unter anderem die Kärntner Kasnudelminze, die ich vor vielen Jahren aus Irschen vom Kräuterfest mitnahm. Sie wächst und gedeiht noch immer. Mein Traum ist nämlich dieser Apfel- Minzgarten - so wie ich vor über 20 Jahren in Holland erlebte, im Garten von Sitje Sturman.

Bis heute klingt dieses Erlebnis nach.

Zur Minze finden wir bei den Griechen schon Interessantes:

Minthe

Vor langer Zeit lebte eine wunderschöne, unschuldige Nymphe namens Minthe. Eine Fluss-Nymphe, die mit ihren Gespielinnen durch die heimatlichen Fluten tauchte, zwischen den Weiden tanzte und gerne singend und summend auf einem sonnengewärmten Stein saß, bis … ja, bis Hades, der Gott der Unterwelt, der schon damals Persephone, die holde Tochter seiner Schwester Demeter raubte und in seine Unterwelt zerrte und … naja, schlussendlich wurde sie seine Gemahlin … also, bis Hades, durch die Gewässer, die ja unterirdisch miteinander verbunden sind, auf Minthe aufmerksam gemacht, durch den Styx sich pirschte, auftauchte und sich an die ahnungslose Minthe heranmachte. - Leider ahnte seine holde Persephone umso mehr! Rasend vor Eifersucht stürzte sie sich auf die Nymphe und - zerriss sie. Gerade noch rechtzeitig. Ja sie, nicht den Hades, den untreu sein Wollenden.

Der war todtraurig: Kein Vergnügen, keine Minthe, arme Minthe. Ehemals duftende, fröhliche Minthe. Doch, die Götter vermögen