Die große Wiesenkönigin - Mädesüss - Filipendula ulmalaria

Der Holler ist verblüht. Doch schon wieder betört uns eine cremig - weiße Blüte. In einer Sommerlandschaft strahlt sie uns überall an Bächen, Seen, feuchten Wiesen an. Mit ihren Füßen steht sie im kühlen Nass, und ihre Blüten, holundergleich, fangen die warme Sonne ein. Ihr Duft ist unvergleichlich, und jeder riecht etwas anderes darin. Die einen erinnert die Duftwolke an Zahnarzt, die anderen finden darin Vanille und wieder andere Freiheit, Weite und Erleuchtung. Ihr Stengel ist stark und gerne rötlich gefärbt und ihre Blätter tragen ein sattes grün. Ab und zu setzt ihr der Mehltau zu. Ja, ja auch Kräuterwesen dürfen ab und zu schwach sein. Auch diese Zeit brauchen sie.  Trinken wir Mädesüßtee so wird eine Krankheit zum Geschenk. Wir erkennen den Sinn darin und lernen aus den Tagen oder Stunden in denen wir uns krank fühlen. Erkältung, Fieber, Halsschmerzen,.... Mädesüss reinigt, klärt und wiegt das innere Kind. Hatten wir soeben noch die Hollerblüten gesammelt, um einen Fiebertee für den Winter zu haben, so sammelt frau nun die Blüten der großen Wiesenkönigin. Auch schmeckt sehr gut der Sirup daraus, jedoch nicht zu viele Blüten. Ich mische Rossminze und Schafgarbenblüten dazu. So wirds ein richtig guter Sommersirup.

 

Spiralsamen vom Mädesüss

 

Mädesüss - Filipendula Ulmaria - Rosengewächs

Das Mädesüss wird auch die Große Wiesenkönigin oder Wiesenspiere und Wiesengeißbart, Wilder Hirsch Stopparsch (bei Durchfall), Federbusch oder in engl. Meadowsweet genannt. Das Mädesüss ist ein besonders Gewächs unter den Rosengewächsen. Bereits im Frühling reibe ich an ihren Blättern und versuche ihr ihren eigenartigen Duft zu entlocken. Sie duftet so richtig medizinisch, rein und erfrischend. Und erfrischen ist auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie löscht das Feuer, wenn es zu heiß wird. Sie steht ja mit ihren Füßen, mit der Wurzel gern an kühlen feuchten Stellen, den Kopf hat sie lieber in der Sonne. Also geradezu umgekehrt, wie es der alte Spruch uns sagt. Beim Menschen sollte es so sein: „Kopf kalt, füße war, hält den besten Doktor arm.“ Das Mädesüss trägt diese Signatur umgekehrt in ihrem Wesen und so ist sie dann gut, wenn wir Fieber oder Kopfschmerz haben und Mädesüss zur Stelle ist. Sie kühlt den Kopf, hilft die Angst zu vertreiben, wenn sie uns einengt und hilft uns unseren Duft zu verströmen, so zu sein wie wir sind. Wenn der Kopf zu platzen droht, weil Migräne plagt, dann greife doch mal zum Mädesüss! Ich sammle hier vor allem auch im Spätsommer die Samen, sie sehen aus wie kleine Spiralen – eine sehr interessante Sprache, welche diese Pflanze da spricht. Diese Samen… was sagen sie uns? Winde dich aus der Angst heraus? Oder überwinde sie? Oder was soll ich überwinden? Die getrockneten Samen werden gekaut wie Kopfwehtabletten, oder besser gesagt als Ersatz für die Tabletten. Sie sind äußerst wirksam als Kopfwehmittel, als Schmerzmittel. Die Samen in Honig eingerührt wirken noch intensiver - hervorragendes Schmerzmittel.

Das Mädesüss blüht gleich nach dem Holler an feuchten Stellen an Seen und Bächen und Flussufern. Sie reinigt vor allem auch die Gewässer. Diese Eigenschaft wendet sie auch dann beim Menschen an, wenn der Sumpf zu tief wird. Aus ihr wurde im Jahr 1830 erstmals entzündungshemmende Salicylate extrahiert. 60 Jahre später wurde dann daraus das „Aspirin“. Mädesüss führte also kluge Köpfe zur Entwicklung des Aspirins. Im Aspirin kam allerdings die synthetisch hergestellte Acetylsalicylsäure zum Einsatz. Ein Schmerzmittel erster Reihe. Das Mädesüss ist die natürliche Form davon.

Das Mädesüss erzählt uns auch viel Geschichte. Bei Hochzeiten zählte es zu den Streukräutern. Diese Art der Kräuterkunde ist fast vergessen, heute werden meist nur mehr Rosenblüten gestreut, dies vor allem bei Hochzeiten. Mädesüss mit ihren duftenden, cremeweißen Blüten zählte auch zu den Streublumen, ebenso wie Beifuss, Holunderblüten, Eisenkraut und Fliederblüten. Die Mädesüssblüten wurden aber auch gemeinsam mit Melisse zum Ausreiben von Bienenstöcken verwendet, was einleuchtend ist. Beide Kräuter sind gut desinfizierend und halten alles fern, was nicht gebraucht wird für ein gesundes Klima im Bienenstock.

Natürlich ist die Blüte auch sehr als Tee zu empfehlen. Schmerzlindernd, fiebersenkend, und er macht das Herz froh. So schrieb schon der englische Arzt John Gerard. Die Engländer lieben ja Mädesüss. Der Tee fördert den Schweiß und hilft bei Grippe mit starken Gliederschmerzen und Kopfweh. Er wirkt auch abschwellend, was die Schleimhäute beruhigt. Nicht zu vergessen ist seine Kraft bei rheumatischen Erkrankungen. Auch bei Durchfall wird immer wieder Mädesüsskraft eingesetzt. Es reinigt und schwemmt aus und so kann der Durchfall leichter durchgangen werden. Daher kommt auch der lustige Name „Stopparsch“. Mädesüss neutralisiert Säuren im Blut und auch im Magen. Deshalb wird es auch immer wieder empfohlen bei Zwölffingerdarmgeschwüren und bei Magenproblemen.

Wurzeltee aus Mädesüss

Die Wurzeln werden gegraben und kalt angesetzt. Diese 6 Stunden ziehen lassen in kaltem Wasser. Zugedeckt 3 Minuten ziehen lassen und abseihen. Bei Ödemen hilft er der Niere und der Blase, also den Ausscheidungsorganen, Wasser abzuleiten. Dies ist sehr unterstützend bei Ödemen und geschwollenen Beinen.

Mädesüss in der Pubertät

Alleine der Name verrät ja schon, dass diese Pflanze für Mädchen nicht ungeeignet ist. In der Pubertät verändert sich nicht nur der Körper des Mädchens, sondern alles und noch viel mehr. Nicht nur für das Mädchen ist das nicht ganz einfach, auch stehen meist die Mütter, oft sogar Väter Kopf in der Pubertät ihrer Kinder. Nimm einige Mädesüssblüten und nähe sie in ein Stoffsäckchen ein. Das gib dem Mädchen, das nun zu einer jungen Frau wird mit. Es hilft, sich gut zur Frau hin zu entwickeln. Die Spirale hochzuklettern. So wie wir am Samen der Wiesenkönigin sehen. Es hilft den eigenen Duft zu verströmen, sich zu entwickeln, kühlen Kopf zu bewahren und die Veränderung fließend zu erleben und nicht in schockartigen Zuständen oder schmerzhaften Pubertätsattacken. Mädesüss hilft den Fluss des Lebens anzunehmen.

Nimm den Fluss des Lebens an… es ist alles geführt… Folge im Vertrauen dem Weg und wachse…