Kräuterwesen im Rhythmus des Jahres

Das sind die Wesen, die täglich in meinem Kopf herumwirbeln. Sie pflegen mich, mit ihrem Duft trösten sie mich und ein anderes mal nähren sie mich. Diese zauberhaften Wesen hören mir zu, und wachsen, wenn ich sie berühre, sie trocknen und trinken meine Tränen. Der Frauenmantel gibt mir seine Tränen um mein Gesicht zu waschen. Das Schneeglöckchen streift über meine Augen,  und gibt mir Sehkraft für das ganze Jahr. Der gelbe Himmelsschlüssel sperrt im Frühlung auf , und macht meinen Körper bereit für die Nahrung aus dem Garten der mich umgibt. Und der Löwenzahn hat mich inspiriert, ihn zu malen. Im Februar musste ich plötzlich dieses gelbe Kräuterwesen zu Papier bringen, nicht mit Worten, endlich mit Farbe. Die Kräuter und Pflanzen zu malen ist wohl nochmals eine Art und Möglichkeit tief in die Wesenhaftigkeit einzutauchen.Vincent van Gogh liebte die Erntefarbe gelb - er verband sie immer mit dem Tod. Wohl am berühmtesten sind seine Getreidefelder hierfür, das Selbstporträt mit dem gelben Hut,...

Er fing die Sonne in seinen Bildern ein, und ebenso machen es die Pflanzen, die uns mit ihrer gelben Farbe erfreuen und uns im Frühling wieder wachrütteln. Der Kräuter- Garten ist groß - größer als wir denken. Ich seh das so: "Hast du Besitz, dann gehört dir der Besitz. Hast du keinen Besitz, dann gehört dir die Welt. " Also raus in die Welt!!


 

Diese Kräuterwesen sind lustige Gestalten.  Immer für Überraschungen bereit. Hast du erst Freundschaft mit ihnen geschlossen, dann begleiten sie dich ein ganzes Leben. Auf diesen Seite erzähle ich von Kräutern, die mir ins Auge fallen, über den Weg laufen oder mich rufen. mich lehren, mir Wege zeigen. Es ist schon interessant, was einem grünen und bunten Wesen so erzählen, wenn man ihnen ein Ohr schenkt. Eins muss ich aber sagen, man lernt nie aus - und schon gar nicht nur aus Büchern. Erst wenn man eigene Erfahrungen, sei es beim Kochen, Heilmittel bereiten oder beim Einsatz im Alltag, gemacht hat, wird der Kontakt nachhaltig und dauerhaft hergestellt. Es kann der Dialog zwischen Mensch und Pflanze erst starten, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Sammeln, Suchen, Fühlen, Sehen, Betrachten, Staunen, Zeichnen, Hören, .... all das gehört zum Lesen im Buch der Natur.

Folge den Wesen auf dieser Seite... jeder Mensch hat eine andere Frequenz und so begegnen ihm auch andere Pflanzen. Auch bei mir ändert sich die Sichtweise jedes Jahr, oft jeden Tag. Man entwickelt sich, lernt, geht eine Schritt vor, macht drei Schritte zurück.


Erntezeit

Im Juli und August steht die wirklich große Erntezeit vor der Tür. Und hier will ich auch etwas erwähnen, was oft vergessen wird. Die Samen unserer wertvollen Gartenkräuter. Meist sind wir zu genau, es sieht zu schlampig und ungepflegt aus - glauben wir, die Kräuter werden zurückgeschnitten und ihnen so die Chance genommen, ihre wertvollen Samen auszubilden. Genau diese verwende ich so gerne. Für Brotgewürze, als Zusatz für Kräutersalze oder ich setze  Tinkturen  aus Samen an. In ihnen steckt ja das ganze Leben der nächsten Generation. Sie sind mit "Kernkraft" zu vergleichen.

„Auf dem Weg durch den natürlichen Jahreskreis, wirst Du die Knospe in Dir zum Erblühen bringen“

Monika Rosenstatter

 

Lässt man den Kräutern etwas Freiraum,  versamen sich dann auch so manche Kräuterelfen und suchen sich ihren bevorzugten Platz im Garten. Selbstverständlich hat man nicht die riesige Ausbeute an Samen und es ist wohl sehr mühsam diese zu ernten. Aber es lohnt sich. Wie stolz bin ich , wenn meine Fingerchen auf die selbstgebackenen Dinkelbrötchen den eigenen Mohn streuen, selbstgelesen Koriander in den Teig kneten, Liebstöckelsamen zum Salz geben, Schwarzkümmel in Gläschen füllen; Köpfchen für Köpfchen neige ich übers Glas und schüttle die schwarzen Samen von der "Jungfrau im Grünen" hinein. Brennesselsamen und Spitzwegerichsamen,..... Macht die Augen auf und schaut mal, was sich alles anbietet - sicher findet sich auch etwas in Eurem Garten.

 

                 

Koriander

 

        

         Mohnkapseln

 

           

Spitzwegerich

"Die Erkenntnis ist der Same der Wandlung"

Dank an Mutter Erde

Ich danke Dir Mutter Erde für den Platz an dem wir wirken, wohnen und walten dürfen. Danke für die Nahrung und den Schoß, den du uns gibst.

Ich danke für Stein, Pflanze und Tier - sie machen alles so lebendig.

Ich danke für den Vater im Himmel, dass er die Sonne scheinen lässt, die uns nach einem Regen wärmt und trocknet. Ich danke für den blauen Himmel, wann immer wir auch unseren Blick erheben zu Dir, erheben wir unser Bewusstsein.

Ich danke für den Regen, der den Bachlauf füllt. Der Bach, der uns reinigt und unsere Gedanken nach Hause trägt.

Ich danke für die Luft, den Geist der mich atmet und mich Seele trägt.

Danke für alles, große Göttin, Deinen vielen Helfern und dieser Schönheit, die alles Dunkel immer wieder verwandelt und transformiert.

Danke für das Jahr, das Du immer wieder drehst, von einem Punkt zum andern... und wir können mit Dir wandern. Von hier nach dort, von dort nach hier... und jedes Jahr aufs Neue reifen.

Danke für die vielen Facetten Deines Kleides. Vom hellsten Weiß, bis zum dunkelsten Schwarz, vom blutigsten Rot, bis zum feinsten Rosa und vom schillerndsten Silber bis zum wertvollsten Gold... Du trägst alles auf Deinem grünen Mantel aus seidenem Faden... auf dem die Sterne prangen und der Regenbogen sich spiegelt. Du bist Musik.

Danke!

Monika Rosenstatter