Der Igel 

Vom Einigeln …

Der Mensch und der Igel sind ein wunderbares Paar. Der Igel lebt in der Nähe des Menschen, braucht die Gärten und die Räume, welche wir ihm als GärtnerIn gewähren. Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Igel retten müssen, oder sie geben uns jedes Jahr den Impuls, dass wir uns selber retten dürfen, indem wir im Herbst damit beginnen uns einzuigeln. Viele Jahre beherberge ich in unserem Garten schon die Igelmagie. Manchmal mehr, manchmal weniger und manchmal ists auch traurig. Vor einigen Jahren hatte ich ganz viele kleine Igel in unserem Garten. Sie waren schon sehr zahm. Eines morgens lagen die kleinen Igelchen überall tot im Garten. Es war September, kein Frost, nichts, was ich dem Tod in die Schuhe hätte schieben können. Bis heute weiß ich nicht um das WARUM. Aber ich habe auch beim Gärtnern vor allem gelernt: „Ich muss nicht alles wissen!“ Nun, ich stellte vor vielen Jahren einem Impuls folgend einen Tontopf auf. Mein Vater schnitt mir eine Türöffnung ein, und stellte den Topf kopfüber in den Garten. Ich sagte: „Das wird jetzt ein Igelhaus!“ Ich wartete. Jahr für Jahr. Kein Bewohner zu sehen. Die Igel bevorzugten eher die Laubhaufen oder bauten sich natürlicherweise ihre eigenen Höhlen. Doch heuer, im Jahr 2020, im Jahr der Quarantäne und des EINIGELNS passierte es. Fast über Nacht war das Haus gefüllt mit Laub und Wolle und  Gräsern und dicht an dicht drängte sich eine fette, prächtige Igelmutter samt ihren vier Kindern in dem Haus. Täglich machten sie ihre Streifzüge und ich besuche sie und beliebäugle sie. Und sie waren es auch, die mich heuer endlich zur Tierwelt führten. Ein intensives Band knüpfen ließen. Versteh mich nicht falsch. Ich liebe Tiere, aber die Liebe war niemals so intensiv wie die zu den Pflanzen. Irgendwas in mir schrie aber schon einige Monate nach der Verbindung zum Tierreich. Das Igelerlebnis führte mich nicht nur näher zu meinen Katzen, sondern zu allen Tieren. Und dafür bin ich echt dankbar. Die Vögel waren die einzigen Tiere, zu denen ich wirklich einen herzhaft seelischen Bezug hatte, seit meiner Kindheit. Aber die Säugetiere – das war eine andere Geschichte. Und wenn ich so vor mich hinschreibe, dann erkenne ich erst jetzt, dass es mit meiner Annäherung an meine eigenen Sexualität in diesem Jahr zu tun hat, an meine Frauenkraft, an die Göttin in mir, die empfängt und gebärt, das Nest baut und hütet. Ich war sehr vogellastig. Brütend. Dauernd brütend. Auf Eiern. Aber jetzt hat die Matrix, die Gebärmutter in mir endlich ihren Platz und ihre Lebenskraft und Aufgabe angenommen. Ja manchmal brauchts Umwege, oder einfach den richtigen Zeitpunkt. Und das ist gut so. 

 

Ein Igelpärchen oder eine ganze Familie, oder wie bei uns im Garten, in fast jeder Himmelrichtung eine Familie, ist der wirksamste Schutz vor Wühlmäusen. Heuer haben die Igel besonders viel Nahrung. Da ein extrem intensives Maikäferjahr war, wimmelte es im Garten unter der Erde vor Engerlingen. Das sind die Larven der Maikäfer. Aber hast Du Engerlinge, dann hast Du auch mindestens einen Maulwurf, und Igel als Helfer. Du brauchst gar nicht zu Hilfe rufen, sie kommen wie von selbst. Igel fressen Käfer, Larven, Würmer, Insekten und Schnecken. Bitte füttere die Igel nicht mit Milch sondern biete Schalen mit Wasser an. In mancher Ecke lass Grünschnitt liegen, das dient auch als gute Nahrungsquelle. Die Paarung der Igel beginnt im zeitigen Frühling, direkt nach dem Winterschlaf. Und paaren tun sie sich am liebsten in einer kuscheligen Laubhöhle. Sie sind wahrlich gute Baumeister. Was diese Igel mit ihren spitzen Schnauzen so anstellen ist faszinierend. Ich liebe die Igelmusik vor allem. Dieses Pfauchen. Kennst Du das?

Das Tontopfigelhaus. Rund um eine Igelbehausung riecht es auch Igel und der Erdboden ist sehr geglättet. Die Igel sind so bodennah und bügeln alles glatt. Da kann man genau die Igelstraßen und Wege verfolgen. Natürlich ist das nicht im Sinne eines feinen, englischen Gartens, aber es ist ein naturnaher und lebendiger Garten. Und für Kinder einfach ein unvergessliches Kindheitserlebnis. Klara und ich gehen so oft es geht zum Igelhaus und wenn wir ein Igelkind oder gar eine dicke fette Mutter erspähen, dann ist Klara ganz aufgeregt. 

Im Mittelalter galt ja der Igel, neben Katze und Rabe als Verbündeter der Hexe, der Zaunreiterin. Seine Nester und Höhlen baut er auch vornehmlich und Zäunen und Hecken. Im Gegensatz zum Sehsinn ist der Geruchs- und Gehörsinn ist sehr ausgeprägt. Der Igel ist fast so blind wie der Maulwurf. Der Igel ist auch ein wunderbarer Schutz gegen Neider und hilft Dir nicht alles persönlich zu nehmen. Im Notfall rolle dich ein wie ein Igel, stell die Stacheln auf und verharre in Deiner Igelkugel. Denke und sinne nach und so geht so manche Gefahr vorüber, an der Du Dir womöglich einen Stachel eingetreten hättest. Ah, ja. Und darfst ruhig zu Deinen Stacheln stehen.

Unter Ästen, nebst Kochtopf und unter der Rose „Veilchenblau“ hat der Igel  sich eine Höhle gebaut. Er verwendet auch Schwemmholz als Deko. Hat er sich höchstwahrscheinlich von mir abgeschaut.