Herbstlaune

Von Bischofsmützen, Sonnenuntergängen, Jahresbäumen und Bioparadiesen

Bischofsmütze - so der Name dieses herrlichen Herbstgewächses, das unsere Besucher am Gartentor empfängt. Nicht umsonst färben sich die Kürbisse orange. Sie bringen kreatives Licht in nebelige Herbsttage. Mit dieser kreativen Kraft machte ich mich auf die Walz. So weit mich die Füße trugen. Ich wusste ja nicht wie lange meine Herbstimpressionstour in Anspruch nehmen würde. Vom Sonnenauf- bis zum Sonnenuntergang streifte ich durch meine herbstliche Heimat. Ich verbinde das Herbst immer mit dem englischen "Herbs" - das Wort für Kräuter im englischen Gärtnerlatein. Kräuter begleiteten mich durch dieses Jahr un nun beginnt die Zeit des Genießens. Der Tee will getrunken werden, die Wellnessoase Badewanne wartet und viele Bastelideen schwirren in meinem Kräuterhexenkopf herum.

Das klare Herbstlüftchen, die ersten fallenden Blätter, Erika und Kastanienkugeln, ... der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Ich verwurzelte mich bevor ich losging. Barfuss stellte ich mich auf die Erde und ich konnte ja richtig spüren, wie meine Fußsohlen sich mit der Erde verbanden, sich die Wurzeln verzweigten und sich die Wege in die die tiefe, warme Finsterniss duftender Erde suchten. Eingehüllt in Nebel und .... dem sanften Licht, das nun hinter den Fensterscheiben aller Häuser viel wärmer als sonst zu strahlen scheint. Obwohl die Tage kürzer und kälter werden, fühlt man wie sich jedes einzelne Lebewesen nach Wärme und Geborgenheit sehnt. Die Kürbisse höhlen wir aus um dann doch wieder ein Licht im Kürbisschoß zu entzünden.

Da bin ich alleine mit mir um die Häuser gezogen und hab Täler im Nebel gesehen. Wenn der Tag sich dem Ende neigt, und die Erde ihre Wesen durch den Nebel sichtbar macht. Und habe die schönste Einsamkeit der Welt genossen.

 

 

Bin herumgeflogen und durfte mich an der Vergänglichkeit der Sonnenblumen laben.

Irgendwann geht für diese Blume die Sonne unter, aber ihr Gesicht birgt noch viele tausend Sonnen.

 

 

Hab auf unseren Hausbergen gestanden und im Mondenschein den Herbst begrüßt.

 

Das wunderbare Seenland - mit seinen Schilfgürteln ind denen noch so viel Sommersonne gespeichert ist und natürlich die Birken. Ich bedankte mich bei der Birkenfrau, die mir das ganze Jahr über den Weg wies. Das ist wohl nicht mein einziger Jahresbaum, denn als Waldfrau ist Wer kennt noch mein Sprücherl? Vom letzten Ausflug in den Wald? Bäume geben uns Pläne, richtungen und Ratschläge. Wer einen Baum als Freund hat, hat einen Bund fürs Leben geschlossen.

"Birkenfräulein rein und lieb,

für den Anfang Kraft mir gib.

Wohin soll ich gehen?

Wofür soll dieses jahr mir stehen?

Gib mir Kraft und mach mich rein,

offen für das Neue will ich sein."

 

Nun darf die Birke ihre Blätter fallen lassen, und ich kann den Weg alleine weiter gehen. Sicherlich warte ich aber auch nächstes jahr schon wieder ganz ungeduldig auf die ersten süsslichen Knospen und Blätter und auf das Birkenwasser. Das Birkenwasser, das mich mit Schwung im nächsten Frühling austreiben lässt.

 

40 Jahre lebe ich nun schon bald in diesem Paradies. Ich reise wenig, und ich reise meist nicht weit. Aber wozu auch?

Wie viele Sonnenuntergänge haben mich jedesmal aufs Neue berührt. Und wie sehr lockte mir dieses Untergehen des Lichts wieder die Tränen hervor?

Manche Stimmen nennen es "Bioparadies". Ja, das Paradies liegt vor der Haustüre, was daraus gemacht wird, liegt an jedem einzelnen. Bio heißt "Leben".

Wie jeder Bauer achtsam seine Felder, Wiesen und Tiere pflegt

Wie Menschen in Betrieben miteinander umgehen

Wie der Koch aus regionalen Zutaten Gaumenschmankerl zaubert

Wie Frau und Mann ihre Gärten bestellen

Wie lachende und singende Kinder durch die Wälder streifen

Wie... wie jeder dieses Stück Paradies wahrnimmt und lieben lernt und einfach dankbar dafür ist und es nicht ausbeutet.

Das ist Leben - das ist Bio.

 

Die Schönheit und die Kunstwerke die Mutter Erde hervorbringt können von keinem Menschen übertroffen werden.

Menschen können erschaffen und schaffen - nur müssen wir aufpassen, dass halt nicht irgendwann das "Schaffl" (das Fass) voll ist. Vor lauter Schaffen.

Bewahren wir uns den einfachen Blick für die Schönheit um uns.

Denn wie sagt der Vater der großen Worte Friedrich Schiller:

"Was wir als Schönheit empfinden, wird einst als Wahrheit uns entgegengehen."

 

Wie farbenprächtige Hähne jeden Tag den Morgen heraufkrähen. Glücklich fand ich diesen stolzen Hahn vor einem Bauernhof.

Der Tier- und Menschenwelt sag Guten Morgen - keinen Herbstblues - keine Sorgen.

Was ich noch alles fand? Ein Rehkrickerl, viele Pilze, schöne neue Wege, und wieder ein Stück mehr zu mir selbst.