Judasohr - Holunderschwamm - Mu Err - Wolkenohr - Auricularia auricula judae

Auf meinen Waldstreifzügen im Februar entdeckte ich in einer Waldschlucht das Judasohr. Eine große Ansammlung von Holundersträuchern ließ auf sehr nassen Untergrund schließen. Quellen, Bachläufe, feuchte Luft, Moos und Laub am Waldboden. Dort fühlen sich Pilze wohl. Die Holundersträucher hielten also so viele Geschenke für mich bereit. Erstens die Gestalt, die sie im Winter, wenn sie kein Laub tragen haben. Ihre rissige, graue Rinde kommt besonders gut zur Geltung. Die kleinen roten Knospen sitzen schon in den Startlöchern, aber noch ist es zu früh. Dafür tragen sie einen anderen Scmuck. Moose, Flechten und Judasohren. Dunkelbraun, samtig, gummiartig, befremdend, ohrenförmig. Das Judasohr ist auch unter Holunderschwamm oder Mu Err Pilz bekannt. In Asialäden bekommt man ihn meist getrocknet zu kaufen. Kaum jemand macht sich also die Mühe und geht im Februarauf  Schwammerlsuche. Gerade jetzt im Februar schenkt uns die Waldwelt diese Vitalpakete. Sie enthalten Vitamin B1 - das Nervenstimmungsvitamin, Mineralien, Spurenelemente.

Ja, mein Herz schlägt hoch bei diesem Anblick. Zu dieser oft kargen Jahreszeitqualität schenkt uns dieser Pilz seine wärmende, kräfigende Eigenschaften. Er pflegt unsere Arterien, Blutkreislauf - darum hat wahrscheinlich mein Herz so hoch geschlagen. Hex, hex. Natürlich hat dieses Kraftpaket auch die Energie des Holunders angenommen. Absterbende Holunderstämme erscheinen oft skurril. Wenn die Rinde abblättert, kommt das schöne weiße Holz zum Vorschein. Wie Skulpturen erscheinen die Holundergestalten dann im Waldgrund. Bevorzugt wachsen diese Pilze ja auf absterbendem Holz. Dies nennt man saprophytisch. Wir werden auch mal alt, und gerade deshalb wirkt er sich so positiv auf diese typischen Alterserscheinungenwie Arterienverkalkung aus. Eine Signatur - wunderwunderbar!! Die Pilze schmecken hervorragend  fein geschnitten aufs Käsebrot gestreut mit gekeimten Mungbohnen. Mit Gemüse in Reispfannen, in Suppen, Eintöpfen oder man kann sie auch trocknen und aufbewahren. Bei Bedarf in Wasser einweichen und wie gewohnt verkochen.

In einer christlichen Legende wird erzählt, dass der Apsostel Judas, der sich an einem Holunderbaum aus Gram erhängen wollte, vom Baum stürzte und dabei sein Ohr am Stamm hängen blieb. Daher kommt also der Name JUDASOHR.

Der Waldfrauenschatz!!!! Judasohr!