Holunder - Elder - Sambucus nigra - Geißblattgewächse

"Die Hollerin"

Die Holunderpflanze ist von einhüllender wie abschreckender Natur. Ihr Wachsen zeigt uns deutlich wie sehr sie zum Himmel zur Sonne, zum Männlichen strebt um aber nach einer gewissen Trieblänge wieder ihre Spitzen zur Erde zu neigen. Ein unbeschnittener Holunder hat eine Form wie ein Antimon, ein Graustrahglanz.  Sie wächst punktuell aus der Erde und strahlt ihre Zweige ins Universum.

 Ihre Rinde ist grau, furchig, von saturnischer Signatur, wie ein altes Weiblein.

Darunter verbirgt sich das glatte, nährende, grünende Holz. Grün die Herzensfarbe, das Komplementär zu rot.

Und nochmals darunter verbirgt sich das weiße Mark. Schaumig, frisch und jugendlich.

Betrachtet man einen  abgestorbenen Holunderbaum so eröffnet sich wieder diese Dreieinigkeit. Die saturnische Rinde löst sich, das innere weiße Mark zersetzt sich und das Holz, die nährende Erde bleibt übrig. Interessant ist daran, dass wo Zweige aus dem Stamm wuchsen, diese ausbrechen und übrig bleibt im Erdholz eine Öffnung. Eine weibliche Öffnung, aus der während ihrer Wachstumsphase, der lebendigen Phase die Triebe und Äste herausgesprossen sind , geboren wurden. Nach einiger Zeit helfen dann Pilze, das berühmte Judasohr, dem Holz zu zerfallen. Wäre jetzt interessant, wie das Judohr so ganz fürher genannt wurde. Jedenfalls schmeckt es so lecker, balsamsich, ein noch nicht gekannter Geschmack in meinem Repertoire. Es bildet witzige Ohrmuscheln, als ob es der alten Holunderfrau lauschen würde, während sie im Zerfall ihre Geschichten preisgibt.

Der Hollerbusch will geehrt werden. Ich hänge immer viele Teelichter an seine Äste.

Das Tor zur Anderswelt will beleuchtet werden, damit Hagazussa ihre Wege findet. Die Hauslampe von Frau Holle - meine nostalgischen Teelicher.

In der Blüten- und Frucht- und Samenphase erleben wir wieder das gleiche Bild. Die jugendliche, schaumartige, duftende weiße, jungfräuliche Blüte, die grünen Fruchtknötchen( komplementär zu rot) und dann wieder die glänzend schwarzen Früchte. Die schwarzen Früchte, die das ganze Leben, den Samen in sich tragen um diese Weisheit weiterzugeben.

"Ringel, Ringel Reihe, wir sind der Kinder Dreie, machen alle husch, husch, husch, - sitzen unterm Hollerbusch!"

 

Der Duft des Holzes, der Blätter ist ja von einer Eigenart, die wir nicht so oft antreffen in der Natur. Bitter, pelzig, zusammenziehend, das feuchte, modrige, erdige. Es dauert Jahre um in die Botschaft von Frau Holle einzutauchen, immer wieder aufs Neue ihrem Weg zu folgen, wie es so viele vor uns taten. Der Holunder wurde geehrt, der Hut davor gezogen, Bestrafungen verordnet für jene die Hollbüsche fällten, schnitten,...

Jeder Teil des Holunders wird in der Heilpflanzenkunde verwendet. Ob die Blüten bei grippalen Infekten, die Blätter bei Insektenstichen und Venenproblemen, die Rinde als Purgiermittel, das Holz als Zauberstab, die Beeren für Magen und Darm und als Kraftmittel für den Winter, das Blütenhydrolat für klare Gesichtshaut, der Bast für Balsame,..