Der Wald im Lauf der Jahreszeiten...

Der Wald im Lauf der Jahreszeiten....

Zu jeder Jahreszeit, Tageszeit streife ich im Wald umher. Hier vergesse ich alles um mich. Bin eins mit den Bäumen. Setze mich in weiche Moos. Falle mit den Blättern zu Boden, glänze mit den Nadeln um die Wette,...

Hier werde ich noch viel von meinen Walderlebnissen berichten. Die Einträge sind auch teilweise schon einige Jahre alt, aber ich möchte sie nicht löschen, erneuern, denn so sehe ich, wie ich mich verändere, entwickle, wachse oder verkleinere,....

Frühlingswald

Im zarten, grünen Buchenkleid zieht der Frühling in die Wälder. Gibt uns wieder Nahrung und Leichtigkeit. Bald können wir das Rauschen und Singen der Blätter wieder hören. Jeden Tag werden die Knospen größer, praller und entfalten sich in den schönsten Farben. Aronstab und Buschwindröschen, Waldbingelkraut und Einbeere bringen die wunderbarsten Blüten hervor. Doch wer wie ich im Morgengrauen im Frühlingswald herumschleicht der sollte nicht schreckhaft sein. Die Rufe der Rehböcke ließen mich zu Stein erstarren. Echt gruselig. Was das Ganze wieder auflockerte, waren die Rufe der Möwen, dich sich wieder sammelten um weiterzuziehen. Unzählig viele.

Aufbruchstimmung im Morgengrauen.

Und im April öffnet sich dann der Wald. Zuerst wandle ich durch ein Meer von Buschwindröschen, die sich durch das Buchenlaub schieben. Langsam beginnen auch die Bäume zu grünen. zuerst die Haselnüssse, dann Buchen, Eichen. Lärchen lassen ihre weichen Nadeln das Licht der Welt erblicken, Birken, Pappeln und ziemlich als Letzte, ganz gemütlich, treibt die Esche mal ihre glänzenden, wohlschmeckenden Blättchen. Die Buschwindröschen verblühen, ziehen mit dem Wind davon und nun schlängle ich mich durch Waldmeisterwiesen. Dazwischen die wunderbar traurigen Wedel des Salomonsiegels. Einbeere, Aronstab, Lerchenspron - ein Fest scheint gefeiert zu werden.

Und bald wandle ich unter Ahorn-, Eschen und Eichenblüten. Diese Baumblüten haben mich nun verzaubert. Unter den Ahornbäumen tanzen die Elfen und die Eichenblüten ernähren mich. Die Blüte der rotbuche trägt ein kleines Röckchen mit Pompons und die Traubenkirsche prangt als Flieder des Waldes.

Zu Walpurgis -Beltane - ein Fest zwischen Himmel und Erde.

Waldmeisterwiese


 

Sommerwald

An heißen Sommertagen ist es wohl im Wasser oder im Wald am gemütlichsten. So manche Waldwesen tummeln sich im ruhigen Sommerwald. Alle sind auf Urlaub, die Bauern machen das Heu, Waldarbeit ist an klirrend heißen Sommertagen auch nicht angesagt. Aber die Waldfrau geht am Nachmittag und pflückt Himbeeren und Erdbeeren, Brombeeren und Blaubeeren. Zeigt ihren Kindern die süßen Nascherein und das Kühlen der Füße im Bach. Insekten schwirren durch die Lüfte. Frei und unbekümmert durch einen Sommerwald zu wirbeln ist wohl die schönste Ferienbeschäftigung für unsere Sommerkinder. Und tagelang streift die Waldfrau durch die harzigen Sommerdüfte. Vergisst Zeit und Raum, Weg und Wald verschmelzen. Taschen voller Kräuter und angezogen von den zauberhaften Wesen. Sucht sie nun die Tollkirsche oder den Nachtschatten, so wird sie dorthin gezogen. Von unsichtbarer Hand geführt. Und sitzt sie dann im Laub am kühlen Boden, Salomonssiegel mit den Fingerspitzen zart berührt, so sieht sie wohl was kommen mag. Aber das erzählt sie Euch an einem anderen Tag.

 


Herbstwald

Ein ausgelassenens Schlendern durch den herbstlichen Wald vitalisiert und macht den Atem frei. Die ersten Blätter die zu boden fallen , sind die der Esche. Blitzschnell werden sie grau, zerfallen und in einigen Wochen ist nichts mehr von den scharfen Blättern zu sehen, die ich doch täglich genossen habe. Bald schon stehen wieder die Zweige mit den schwarzen samtigen Knospen in die kühle Landschaft hinein. Flattern wie die blätter im Herbst. Man wird wieder leicht, lässt das Jahr hinter sich und schaut auf den Boden. Boden? Ja! Bucheckern, Eicheln, Fichtenzapen; um nur einige zu nennen. Wie gerne setz ich mich auf den moosigen Waldboden, befreie die Bucheckern von ihrer Schale und knabbere die Kerne. Alles zieht sich wieder zurück in die Schale, so wie eine Nuss. Um dann wieder zu keimen oder von mir gegessen zu werden. Die Eicheln sind glatt und oval. Sie in der Hand zu fühlen ist beruhigend. Ich schau mir die Früchte an, die der Wald nun gibt. Der Wald in dem ich soviel meiner Zeit verbringe. Es ist feucht, Herbstnebel und Regentropfen durchbrechen die Stille. Das Moos schwillt an zu großen grünen Polstern, es saugt die Feuchtigkeit und bildet einen Teppich. Ein Moosteppich ist wie einer Miniaturwald. Ein Bäumchen neben dem anderen. Der Wald im Wald. Vor allem das Torfmoos zaubert wahre Märchenlandschaften. Stundelnag könnte ich mich in den Mooslandschaften verirren, innehalten, Faulbäume betrachten und Stöcke sammeln. Für mich ist jedes Stück Holz das am Boden liegt ein Kunstwerk. Vor allem das vergehende Holunderholz hat eine Struktur, eine Weichheit und Formen, die mich immer wieder zum Staunen bringen.

 

Bäume können zeichnen. Diese Buche hat sich ein Tattoo zugelegt.


 

 Winterwald  

2015 - Die Knospen haben mich in ihren Bann gezogen.

In der 12. Jännernacht entstand dieses Gedicht.

Jännerknospe

Wartend auf der Sonne Wärme,

Sitzt am Ast die Knospe.

Kaum zu sehen aus der Ferne,

Doch ihre Strahlkraft trotzt dem Froste.

Geduldig brütet sie still vor sich hin,

Weiß um ihre Kraft im Kerne drin.

Ganz fest ist sie gewachsen,

Und in sich gedrungen,

Die eine trägt den Ast, das Blatt in sich,

Fast wär sie in der Wintersonne aufgesprungen.

Die andere weiß um eine Blüt‘ in ihrer Mitte,

Leis‘ bittend um die Früchte.

Wie ein Mutterschoss birgt sie des Baumes‘ Kraft,

Die Güte und den Lebenssaft.

Monika Rosenstatter


 

2014 - Frühlingshafter Winterwald.

Im Flachgau haben wir nun keinen Schnee Anfang Jänner. Kein Winterwald. Aber trotzdem sehr reizvoll. Im der Jahreszeit Winter entdecke ich immer wieder ganz neuen Facetten des Waldes. Ich liebe die hohen Buchenhaine. Wie ein Dom bilden sie Kuppeln, ein Dach, ragen in den Himmel. Im unbelaubten Zustand erkennt man ihre Grazie. Wenn die Dämerung hereinbricht verschmilzt das Silbrige Grau der Buchenstämme mit dem winterlich klaren Himmelsblau. Für mich ist das Einatmen und ich spüre zwischen diesen Baumriesen die Verbindung zum großen Ganzen. Ich vergesse mich selbst. Berühre die Stämme, rieche das vermodernde Laub, begegne Baumfrauen und Steinhexengesichtern - die im Sommer im Farn versteckt waren. Die Zeit? Ich weiß nicht wie viele Stunden ich in den letzten Tagen im Wald verbracht habe - ich habe keine Uhr.

Buchendom

Ich werde zu einer von Ihnen - ich bin völlig unwichtig

Ein prächtiges Buchenweib wink

Diese Buchen stehen mit beiden Beinen auf der Erde - wie Elefantenfüße - ich kann nicht beschreiben welch ein Gefühl es ist zwischen so mächtigen Bäumen zu wandeln

Buchenmütter betten ihre Kinder auch manchmal in Steinbetten - das ist derselbe Stein in dem auch die Mistelkinder schlafen.

 

Das ist sie: Die Steinhexe - Seht ihr das Gesicht? Die Schlitzaugen, die Nase? Sie sagte: Wenn du da jetzt raufgehst Monika, dann siehst Du viele schöne Bäume.... Und so war es....



2011 - Tiefverschneite Landschaft

Weihnachtsrummel, zwischendurch muss ich raus, schnell mal ein paar Minuten die Füße vertreten. Es ist später Nachmittag und ich merke erst wie herrlich dieser Dezembertag ist. Kurz vor der Wintersonnenwende. Natürlich verlasse ich dann doch die Straße und biege in die nächste Traktorspur, für mich im Schnee geradezu einladend, querfeldein. Bin wieder mal vom Weg abgekommen. Den Hügel hinauf stapf ich durch das pulvrige Weiss und steuere auf die von weitem lachenden Lärchen mit ihren tausenden , kleinen Zapfen zu. Denen muss ich einen Besuch vor Weihnachten abstatten. Räuchere ich doch schon fleißig ihre Nadeln. Kurz mal Danke sagen. Die Spur ist zu Ende, Zeit hab ich auch nicht viel,  aber jetzt kehr ich nicht mehr um. Also ab in den Tiefschnee. Ganz schön anstrengend, und so gar nicht passend gekleidet, sollte ja nur für ein paar Minuten sein.  Und schon bin ich eingetaucht in die kalte,  reine Winterluft, die ruhende Erde, die Stille eines ganz normalen Nachmittags am Haunsberg. Hab den Alltag vergessen. Die Lärche wedelt mir schon entgegen und auch den Tannen am Waldrand sieht man ihre Zufriedenheit an. Ha, der Hollerstrauch  blinzelt ganz frech herüber. OK, dann husch ich rein in den Winterwald und lass die Weite hinter mir. Ein Wandeln zwischen den Bäumen, hier und da ganz unhörbar ein Schneewölckchen zwischen den Fichten tanzend. Eifrig kratze ich mit zitternden Händen das Faulpech von den Borken, halt es fest in meinen Fäusten. Koste von den Holunderknospen. Gefroren lösen sie ein wahres Geschmackserlebnis aus, es schlummert der Hollergeist, und das ganz intensiv - das dachte ich mir nicht. Wie ein kleines Reh fühl ich mich, taste mich von einem bezaubernden Ort zum nächsten. Und die Kälte ist wohlig, nicht unerträglich . Das tiefe Eintauchen im Schnee lässt mich verschmelzen mit der Natur. Zwischen dem verdorrten Springkraut, dessen unvergleichlich, süßen Duft ich noch vom letzten August in der Nase habe, verlasse ich den Wald. Ich dreh mich um,  Licht, groß und rund die Wintersonne flackert noch einmal auf, bevor sie hinterm Bergrücken sinkt. Diesen Augenblick kann man nicht beschreiben, nicht in Worte fassen, ich glaube auch nicht malen,  singen oder ein zweitesmal erleben.

Und das ist gut so.


Und i hab an Bam, den hab i so viel gern -

den herz i, den druck i

den busselt i  - so oft halt's grad geht.

des gspürt er, i bin mir sicher.

Mein bester Freund is sie wordn die Buchn.

Unter de Leit missat i lang nach so am Freund suchn.

Sie hört mir zua,

schenkt mir Ruh.

Sie is mei Mutter vom Wald

mir zwoa werden miteinander alt.

Monika Rosenstatter