Aqua Lunae 2016 - Spiegelschrift

Im Spiegel des Mondes schreibe ich heuer Gedichte. Was spiegelt mir der Mond? Das Du? Wir orientieren uns an Sonnen, Mond und Sternen. Wie wir so schön zu sagen pflegen. Mehr und mehr sollten wir uns am Licht orientieren. Das Mondenlicht fasziniert seit Menschengedenken. Der Mond wirft sein sanftes licht auf die Erde und ich probiere darin zu lesen.

Vollmond 24. Jänner 2016

Erwarte nichts von dieser Welt

am wenigsten Gut noch Geld.

Erwarte nichts von dieser Welt

nicht Ehr, nicht Dank,

das Warten würde Dich machen krank.

Stattdessen spiele mit der Sonne Strahlen,

lerne aus dem Herzen malen.

Wärm dich an der Muttersonne

erkenne ihre heilend Wonne,

singe in des Wasser Klängen,

ruhe in des Steins Kristall

und Dank begegnet dir so überall.

Monika Rosenstatter

Wenn Steine sich zu Sonnen ordnen...


Februarvollmond 22.2.2016

 

Lieg ich da in deinem Lichte

Warm wird’s mir im Gesichte

Bin ein Sternenkind von weit weit her

Zerbrechlich zart und träume mehr

Als ich da bin in der Welt

Die mir fremd und nicht immer gefällt.

Doch bin ich da um hier zu sein.

Ach Rose reich mir deine Blüte

Dornen stechend

Freuderfüllt und Güte

In der lauen Mondennacht

Habe ich gewacht

Bis das Licht nun  mir entgegenfliege

Während ich im Sternenstaube liege.

Zuhause bin ich dort in fernen Welten

 Mineral, Pflanze und Getier sind mir Gefährten.

Eins-sam in der Mondennacht

Doch von fern hat mich mein Stern bewacht.

Monika Rosenstatter

Den Himmel holte ich mir auf die Erde... setzte mir die Himmelsblume (ehrenpreis) im Wasser an, und schrieb in Spiegelschrift.

Spiegelschrift bedeutet für mich folgendes: Wenn ich mir etwas vom Herzen schreibe, dann sehe ich ja in den Spiegel, in meinen Spiegel. Und in dem ich die Spiegelschrift meines Lebens lese, versuche ich zu verstehen. Rückblicke. Und jedesmal lesen, merke ich wie ich mein Leben neu schreibe und mein Selbst (Seele) erkenne. Denn der schlimmste Missbrauch ist die Unwissenheit um das eigene und fremde Selbst.


Märzvollmond 23.3.2016

Ist es ein Schein?

Ist es ein Sein?

Und wieder sitz ich im Spiegelkreis des Mondes hier auf Erden.

Geschichten wollen gespiegelt werden.

Geschichten wollen sich wandeln und verändern,

mit den Menschen, mit den Ländern.

Starr erscheinen die Bücher und alles was geschrieben,

doch was ist davon geblieben?

Nichts und weniger als mehr.

Wirf doch weg all die Schriften und Zeichen,

alles ist Schein und nichts ist im Sein

Der Spiegel zeigt mir ein Bild,

doch bin ich weg, und sieht er mich nicht,

dann gibts auch kein Bild

dann gibts auch kein Licht.

Das mich beleuchtet,

das mich durchschaut

und mir etwas befiehlt.

Ich entscheide,

was ich denke und tu,

wohin ich geh, wann ich ruh.

Ich bin das Bild,

du bist der Spiegel,

ich mach die Regel,

und nicht du bist das Siegel.

Ich bestimme mein Sein,

alles andere ist nur der Schein.

Monika Rosenstatter 23.3.2016 15:55

Mein Vollmond - Mondfinsternis


Aprilvollmond 22.4.2016

Im Schein des Mondes sehe ich die Welt

sie wälzt sich um-

baut sich neu.

Der zarte Schein hat sanft erhellt

die Sicht auf die Dinge wie sie sind und waren gewesen,

Altes darf nun genesen.

Wird noch dauern, viele Gefahren lauern.

Gesorgt wäre für alle

in der großen göttlichen Halle.

... Haben wir verlernt zu sehen,

nun muss der Mensch durch tiefe dunkle Täler gehen,

Schmerzen und Leid durchleben.

Es ist der Stachel des Bewusstseins

und

dieser wird vieles an die Oberfläche heben.

Einen Schriftzug haben wir hinterlassen

nun gilt es bei Null zu beginnen und alles neu zu fassen.

Monika Rosenstatter


Maivollmond 21.5.2016

Dieser Maivollmond fand für mich unter dem Himmel des Weißdorns statt. Dieses Gedicht fiel mir in die Hände, als ich eines meiner auralten verstaubten Bücher aus dem Regal holte.  Erst viel später lüfteten sich die Rätsel dieses Gedichtes - Zeile um Zeile. Nikolaus von Lenau schrieb im 19. Jahrhundert. All die Poeten aus dieser Epoche sind für mich nahrung und berühren mich zutiefst. Die Natur hat damals wie heute immer dieses ewige Lied getönt und ich könnte versinken in diesen Worten.

Wer genau hinliest, weiß wie sehr wir alle dieses "Merlinherz" in uns tragen. Oft tief verborgen. Wie sehr wir uns doch insgeheim danach sehnen wieder eins  mit der Natur zu werden.

Wie Merlin
Möcht ich durch die Wälder ziehn;
Was die Stürme wehen,
Was die Donner rollen
Und die Blitze wollen,
Was die Bäume sprechen,
Wenn sie brechen,
Möcht ich wie Merlin verstehen.

Voll Gewitterlust
Wirft im Sturme hin
Sein Gewand Merlin,
Daß die Lüfte kühlen,
Blitze ihm bespülen
Seine nackte Brust.

Wurzelfäden streckt
Eiche in den Grund,
Unten saugt versteckt
Tausendfach ihr Mund
Leben aus geheimen Quellen,
Die den Stamm gen Himmel schwellen.

Flattern läßt sein Haar Merlin
In der Sturmnacht her und hin,
Und es sprühn die feurig falben
Blitze, ihm das Haupt zu salben;
Die Natur, die offenbare,
Traulich sich mit ihm verschwisternd,
Tränkt sein Herz, wenn Blitze knisternd
Küssen seine schwarzen Haare. – –

Das Gewitter ist vollbracht,
Stille ward die Nacht;
Heiter in die tiefsten Gründe
Ist der Himmel nach dem Streite,
Wer die Waldesruh verstünde
Wie Merlin, der Eingeweihte!

Frühlingsnacht! kein Lüftchen weht,
Nicht die schwanksten Halme nicken,
Jedes Blatt, von Mondesblicken
Wie bezaubert, stille steht.

Still die Götter zu beschleichen
Und die ewigen Gesetze,
In den Schatten hoher Eichen
Wacht der Zaubrer, einsam sinnend,
Zwischen ihre Zweige spinnend
Heimliche Gedankennetze.

Stimmen, die den andern schweigen,
Jenseits ihrer Hörbarkeiten,
Hört Merlin vorübergleiten,
Alles rauscht im vollen Reigen,
Denn die Königin der Elfen
Oder eine kluge Norn
Hält, dem Sinne nachzuhelfen,
Ihm ans Ohr ein Zauberhorn.
Rieseln hört er, springend schäumen
Lebensfluten in den Bäumen;
Vögel schlummern auf den Ästen
Nach des Tages Liebesfesten,
Doch ihr Schlaf ist auch beglückt;


Lauschend hört Merlin entzückt
Unter ihrem Brustgefieder
Träumen ihre künftgen Lieder.
Klingend strömt des Mondes Licht
Auf die Elch und Hagerose,
Und im Kelch der feinsten Moose
Tönt das ewige Gedicht.

Der Nachtwind hat in den Bäumen
Sein Rauschen eingestellt,
Die Vögel sitzen und träumen
Am Aste traut gesellt.

Die ferne schmächtige Quelle,
Weil alles andre ruht,
Läßt hörbar nun Welle auf Welle
Hinflüstern ihre Flut.

Und wenn die Nähe verklungen,
Dann kommen an die Reih
Die leisen Erinnerungen
Und weinen fern vorbei.

Daß alles vorübersterbe,
Ist alt und allbekannt;
Doch diese Wehmut, die herbe,
Hat niemand noch gebannt.


Junivollmond - Rosenmond- Erdbeermond

Es war ein intensiver Mondzyklus. So vieles durfte gehen, sich wandeln und wenden. Es wurde geheilt, was verwundet war, es wurde überwunden, manchmal musste der Mensch sich überwinden. So wie die Rosen die Stacheln, die uns so oft ein Dorn im Auge sind, überwinden und vom harten Holz zur weichen durftenden Blüte sich überwinden, so blühte nun zum Junivollmond am 20.6.2016 die Rosenpracht in meinem Garten. Die Rose als Symbol für Werden und Vergehen, als zeichen der Liebe, als Abbild der Elemente und als Tor zu den 12 Hl. Raunächten zur Johannizeit. Die Rosen spiegeln sich in den Fenstern des letzten Taus, der letzten Gesänge der Nachtigallen bevor nun der Sommer ins Land zieht.

Johannirosen

Wenn um Johanni roten Rosen blühn,

darf der Blick tief ins Weltenherz gehen.

Das Herz will sich vor Freude weiten,

 Farben und Düfte ziehn in Himmelsweiten.

Gewachsen sind wir um zu blühn,

Können über Holz und Stachel hinweg nun sehn.

Gewachsen sind wir um zu vergehn,

ebenso wie Winde wehn.

Wir konnten Holz und Stachel überwinden,

in die Sanftheit finden.

Sie tragen weiter den Duft des Lebens in die Ewigkeit

Kommt die Blüte, vergeht die Zeit!

Monika Rosenstatter

 


Juli - Heumond

Mit Kristallen und Kräutern, wunderbaren Erlebnissen in der ersten Jahreshälfte ging ich in die Sommerpause. Am 20. Juli 2016 war es so, dass ich im Garten saß, den Mond anstarrte und in den Spiegel blickte. In einen Spiegel den ich ein Jahr zuvor im Elsass auf einem Flohmarkt kaufte. Für mich ist es ein magischer Spiegel. Die zeichen auf der Rückseite, das geheimnisvolle an ihm. Ich habe nun also eine handspiegel wie es sich für ein Dame von Welt gehört.

Ich blicke in den Spiegel -

wer blickt zurück?

Ich lächle ihr zu -

wer lächelt zurück?

Ich schließe die Augen

sehe mein Spiegelbild nicht.

Doch ich nehme wahr, 

dass mein Gegenüber im Spiegel

auch die Augen geschlossen hält.

Wie es also in dieser Welt?

Ja es ist wie mit einem Spiegelbild.

Ich blicke in die Welt -

wer blickt zurück?

Ich lächle in die Welt-

wer lächelt zurück?

Ich schließe die Augen,

sehe die Welt nicht.

Und doch nehme ich sie wahr.

Und dann befrage ich den Spiegel -

und plötzlich kommen die Antworten auf die Fragen.

Denn ich habe gefragt - den Spiegel gefragt,

und er hat geantwortet.

Und eigentlich wusste ich ja schon vorher die Antwort,

denn für jede Frage trage ich die Antwort ja bereits in mir.

Manchmal muss ich halt den Spiegel befragen.

Nämlich dann, wenn ich wieder mal glaube die Antwort woanders suchen zu müssen.

Monika Rosenstatter


August - Schnittermond

 

September - Erntemond

 

Oktober - Reisemond